Posts Tagged Populismus

Fachkräftemangel in Deutschland

Der deutsche Wirtschaftsminister Schwäbele Brüderle hat angeregt, ausländischen Facharbeitern mit einem “Begrüssungsgeld” das Arbeiten im Ländle Land schmackhafter zu machen.

Sehr geehrter Herr Brüderle,

hiermit biete ich meine Dienste als Ingenieur in Deutschland an. Ich habe schlagkräftige Vorteile gegenüber jedem Ausländer:

a) deutsche Staatsangehörigkeit,

b) abgeschlossenes Ingenieur-Studium mit Diplom an einer deutschen (Fach-) Hochschule,

c) (nahezu) perfekte Deutsch-Kenntnisse,

d) genaue Kenntnisse der deutschen Kultur; sofortige Integration in die Gesellschaft garantiert.

Ich verlange nicht viel:

a) Job-Garantie für die kommenden zwei Jahre in einem kreativen, produktiven Arbeitsumfeld mit angemessener Bezahlung und guten Weiterbildungsmöglichkeiten an einem beliebigen Ort in Deutschland (auch in ländlicheren Gebieten)

b) Ihr angebotenes “Begrüssungsgeld” in Form von finanzieller und operativer Hilfe bei Umzug, Wohnungsbeschaffung, Erledigung von Behördengängen (Familienzusammenführungs-Visum für meine Frau, Erlangung der deutschen Staatsangehörigkeit für meine Kinder), KiTa-Plätzen, etc.

MfG,

Roland

Ob das hilft, ins sicherere Deutschland zurückzukehren und das momentan ziemlich unrühmliche Kapitel Mexico (Kriminalitäts-Entwicklung, persönliches Sicherheits-Empfinden für mich und meine kleine Familie, wirtschaftliche und berufliche Aussichten, Bildungschancen für meine Kinder, etc.) zumindest vorerst ruhen zu lassen…?

(Quelle)

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Der Dorn im Auge des Nachbarn

Als vorige Woche im US-Bundesstaat Arizona das hier in Mexico so genannte “Anti-Immigranten-Gesetz” (“ley anti imigrantes”) verabschiedet wurde, ging ein grosser Sturm der Entrüstung durch die mexicanischen Medien. “Diskriminierend”, “menschenverachtend”, “fördert Hass und Intoleranz”, “Lasst uns Arizona boykottieren” und andere Aufrufe hörte (und hört) man – natürlich auch von Politikern, die (wieder mal) auf den fahrenden Zug aufsprangen, um wenigstens etwas Profil zu zeigen. Präsident Calderón verurteilte es ebenso und  forderte US-Präsident Obama auf, das Gesetz rückgängig zu machen.

Jetzt kam ein Bericht von Amnesty International heraus, der zeigt, dass Mexico nicht nur kein Kind von Traurigkeit ist, was Menschenrechts-Verletzungen angeht (das weiss eigentlich jeder, der mal in einer mex. Zeitung geblättert oder mit der mex. Polizei zu tun gehabt hat), sondern, dass die Behörden durchreisenden, illegalen migrantes aus mittel- und südamerikanischen Ländern noch schlimmeres antun, als es das Gesetz in Arizona vorsieht.

Klaus Ehringfeld vom Handelsblatt weiss mehr dazu.

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Werbung und Wirklichkeit

In den letzten Wochen wirbt das mex. Bundes-Arbeits-Ministerium (und damit die mex. Regierung) damit, seit Beginn des Jahres soundsoviel tausend neue Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Dass ich dem skeptisch gegenüberstehe, brauche ich wohl nicht ausdrücklich zu schreiben, aber nehmen wir einmal an (wohlwollend wie wir sind ;-) ), die Wirtschaft hat tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen.

Dazu habe ich mal auf den Job-Portalen nach offenen Stellen geschaut und alles (!), was mir (für einen zumindest dem meinigen verwandten Berufs-Zweig) untergekommen ist, ist in etwa so:

Posten: IT-Leiter und -Koordinator

Bildungsgrad: abgeschlossenes Uni-Studium Informatik (títulado)

Alter: 30 bis 40 Jahre, “exzellentes Äusseres”

Erforderliche Kenntnisse: mindestens fünf Jahre im IT-Bereich mit folgender Verantwortung: Auswertung und Administration von IT-Projekten, Datenbank-Administration und -Nutzung (unbedingt), Programmierung und Entwicklung von Applikationen in-house (unbedingt), Entwicklung von Politiken und Prozessen für die IT-Abteilung, business reports, Kenntnisse in Buchhaltungs- und akademischen Systemen, Implementation von Hard- und Software-Projekten, Englisch-Kenntnisse: 80% (Fähigkeit, ein Verhandlungs-Gespräch sicher zu führen und Fachbegriff-Kenntnisse im IT-Bereich)

Aufgaben: Planung und Kontrolle für/von Personal und Material zur Instandhaltung, Entwicklung und Anwendung von technischen Lösungen, die Vorteile zur Konkurrenz erlauben

Bis dahin ist ja alles noch OK. Und dann liest man, was die einstellende Firma bereit ist zu zahlen:

6.000,- Pesos netto (momentan etwa 350 Euro)

:shock: :mad:

… und so wird es mit den meisten anderen Jobs auch sein; konkret: es mag sein, dass wieder eingestellt wird, aber aufgrund des Überangebots an Arbeitskräften werden die Preise dermassen gedrückt, dass es schon Lohn-Dumping ist. Im obigen Fall frage ich mich auch: wieviel bekommen wohl die, die unter diesem IT-Leiter arbeiten? Mindestlohn?

Wie heisst es so schön am Ende des Werbespots des gobierno federal: “No pido mucho. Pido trabajo. Y ya lo tengo.” (zu deutsch: “Ich verlange nicht viel. Ich möchte eine Arbeit. Und nun habe ich sie.”)

Was dabei wahrscheinlich geschnitten wurde, war der Folgesatz: “Pero no gano suficiente para poder vivir. Y menos para ‘Vivir mejor’.” (“Aber ich verdiene nicht genug zum Leben. Und noch weniger zum ‘Besser leben’ [Werbespruch der Calderón-Regierung])

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Handy-Registrierung (III)

Gestern gelesen: es gibt etwa 12.000 Handy-Linien, die auf den Namen Felipe Calderón registriert wurden.
Insgesamt sollen (laut diesem Kommentar) zwei Millionen Telefone auf den Namen des mex. Präsidenten und den des Besitzers von Telcel, Carlos Slim Helú (CURP: SIHC400128HDFLLR01) angemeldet worden sein.

¡Yo no fui! (Ich war’s nicht!) :lol: ;-)

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Handy-Registrierung (II)

Was die Verlängerung der Anmeldefrist zum berühmten Nationalen Mobiltelefon-Benutzer-Register RENAUT (Registro Nacional de Usuarios de Telefonía Móvil) angeht, habe ich mich wohl geirrt. Ich nehme an, die Betreiber-Firmen haben nicht genügend “Vergünstigungen” springen lassen, um die Senatoren zu “überzeugen”.

Trotzdem -und das ist nichts neues- bleiben da noch mehrere Haare und Fliegen in der Suppe der schönen heilen Welt der totalen Handy-Benutzer-Überwachung:

  1. das das RENAUT begleitende Gesetz, nach dem eine telefonische Belästigung eine Straftat ist, die entsprechend geahndet wird, existiert gar nicht. :shock:
    Laut den Bestimmungen im Diario Oficial de la Federación (DOF – das mex. Bundes-Gesetzblatt) hatten die beiden Parlaments-Kammern Cámara de Diputados und Senado de la República 180 Tage nach In-Kraft-Treten des RENAUT-Gesetzes Zeit, dieses zu verabschieden. Nun sind mehr als 400 Tage verstrichen und das Auf-den-Weg-Bringen des Gesetzes ist selbst in der Cámara de Diputados in weiter Ferne.
  2. wie nicht anders zu erwarten, benehmen sich die Handy-Benutzer wie echte Mexicaner: sie registrieren ihr Mobiltelefon im allerletzten Moment (dass das eine mex. idiosincrasia ist, sagen auch die allermeisten Mexicaner). Obwohl die RENAUT-Betreiber und -Programmierer genau wissen (sollten?), dass es zum Ende der Frist hin ein exponentiell gesteigertes Daten-Aufkommen gibt, sind die Systeme auf den Ansturm nicht vorbereitet, obwohl sie seit mehr als einem Jahr operieren und Zeit genug war, die Kapazitäten zumindest temporär anzupassen (Server anmieten, mirrors erstellen, etc., etc.).
  3. in der Folge von Punkt 2. konnten mehrere Millionen von Handy-Nutzern ihr Telefon nicht rechtzeitig registrieren und die Bestätigungs-Nachricht erhalten. Obwohl es immer hiess, am 11.04.2010 ab 0.00 Uhr würden Leitungen gekappt, wenn sie nicht registriert sind, wurde die Frist kurzerhand bis zum 14.04.2010, 23.59 Uhr (heute!) verlängert.
    Der Betreiber Telefónica Movistar hatte vorher schon angekündigt, Linien seiner Firma nicht ab dem 11.04. abzuschalten und unregistrierten Handy-Nutzern weiterhin Service zu geben.
  4. es gibt keine Form des Beweises der Handy-Nutzer, dass die Registrierung erfolgt ist, ausser -in manchen Fällen- eine SMS mit den Worten (sinngemäss): “Su línea quedó registrada.” Wer sich telefonisch angemeldet hat, hat nichts greifbares.
    Ich z.B. war blöd genug, mich und meine Linie schon im April 2009 zu registrieren und bekam sofort genannte SMS. Mittlerweile habe ich das Telefon aber nicht mehr, sondern ein neues mit neuem SIM-Chip, aber derselben Telefon-Nummer. Die SMS auf dem mittlerweile verkauften alten Handy habe ich selbstverständlich vor dem Verkauf gelöscht. Falls mir die Linie demnächst -absichtlich oder durch einen Fehler in Datenbank und/oder System- gesperrt wird, wie beweise ich, dass ich mich registriert habe?
    Eine Lösung wäre die Einrichtung einer Webseite, auf der man in einem Fenster völlig anonym (s)eine Handy-Nummer eingeben kann und erfährt, ob die Linie registriert ist/wurde oder nicht.

Übrigens: in Tepito, einer landesweit bekannten Gegend, wo man von Piraten-CDs bis grosskalibrigen Waffen alles mögliche illegale bekommt, kann man seit Tagen bereits registrierte SIM-Chips kaufen – auf wessen Namen sie angemeldet sind, bleibt das Geheimnis der Verkäufer. Für 130 Pesos bekommt man eine neue, funktionierende Telefon-Nummer und 90 Pesos Guthaben.

…Und so lebt Mexico wieder einmal in grosser Sorge… – diesmal, dass das über alles geliebte Handy plötzlich aufhört zu funktionieren und das Guthaben futsch ist. Da geht die Nachricht, dass seit Beginn von Präsident Calderón’s “Guerra contra las Drogas” mehr als 22.000 Menschen ihr Leben lassen mussten, völlig unter.

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Datenabgleich á la mexicana

Tenencia 2010 Wieder einmal flattert mir ein Steuer-Bescheid aus dem Distrito Federal ins Haus (oder viel mehr: ins Haus meiner Schwiegermutter). Darauf wird schon im dritten Jahr hintereinander die lokale Kfz-Steuer (= tenencia) des jeweiligen ejercicio fiscal verlangt.

An sich ist das nichts neues und nicht der Rede wert; schließlich muß jede Regierung Steuergelder eintreiben und sich finanzieren. In meinem Fall ist das allerdings etwas seltsam, weil der Wagen, für den die Steuer verlangt wird, seit ebenjenen drei Jahren im Estado de México angemeldet ist.

Als ich meinen guten alten VW Käfer (in der Zwischenzeit längst verkauft) im Januar 2008 auf meinen Wohnsitz im EdoMex. ummeldete, gab ich beim zuständigen Verkehrsamt sowohl Fahrzeugschein (tarjeta de circulación) als auch beide DF-Kennzeichen ab und bekam sofort neue Nummernschilder des Estado de México, eine entsprechende tarjeta de circulación auf meinen Namen und den Daten des Fahrzeugs und den ‘hübschen’ Aufkleber mit der Kennzeichen-Nummer, den (aus mir unverständlichen Gründen) jedes Auto auf einer der Scheiben kleben haben muß. Laut Aussage der Beamten auf dem Verkehrsamt wurden sowohl Kfz-Schein als auch Nummernschilder an die DF-Behörden geschickt und damit der Wechsel des Bundesstaates angezeigt.

Nun ja, offenbar ist da irgendetwas falsch gelaufen, was mich eigentlich gar nicht wundert. Mexicanische Behörden (und auch viele Firmen) sind im Daten-Abgleich und der Eingabe von veränderten Daten (im SQL-Kauderwelsch ist das das U von CRUD) nicht die Stärksten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.

P.S. Übrigens: das Wahlversprechen von Calderón, die Kfz-Steuer auf Republik-Ebene abzuschaffen (die tenencia federal) ist längst eingehalten worden (siehe das entsprechende Gesetz). Die, die aber kein Interesse daran haben, dass das publik wird, sind die Bundesstaaten; die behalten nämlich die tenencia federal in ihrer eigenen Tasche. Das Eintreiben der tenencia ist optional, nicht obligatorisch, und bisher ist der einzige Staat, der sie abgeschafft hat, der Bundesstaat Querétaro.

Beschwerden dazu sollten an den jeweiligen gobernador (“meiner” ist Babyface Peña Nieto) gehen; der Präsident hat die Steuer nämlich tatsächlich (ich hab’s zuerst auch nicht geglaubt…) gestrichen.

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Redet nur Gutes über Mexico!

Eine Faustregel besagt, wenn jemand ständig die gleiche Aufforderung wiederholt, dann liegt wohl etwas im Argen. Das gilt sowohl für bekannte Marken, die plötzlich massive Werbe-Kampagnen starten (was heisst, dass die Verkaufszahlen im Keller sind), als auch für Politiker, die täglich darüber schwafeln, dass die Kriminellen nur eine Minderheit seien und man sich von ihnen nicht einschüchtern lassen sollte - ein leichtes für Leute, die ständig und auf Staatskosten von Leibwächtern beschützt werden und den täglichen Terror, dem die Normal-Bevölkerung ausgesetzt ist, gar nicht mitbekommen (und es sie überhaupt nicht interessiert).

Heute hat sich der Präsident wieder so eine Lachnummer geleistet. Hm, eigentlich ist es eher zum Heulen: auf einer Arbeitstagung zum Thema “Tourismus in Mexico” forderte er die Mexicaner (besonders die im Ausland) auf, nicht schlecht über das Land zu reden; schliesslich seien sie “Botschafter” ihrer Heimat, die dafür sorgen müssten, dass das durch Gewaltakte auf offener Strasse, Unsicherheit und Korruption momentan ein schlechtes Image habende Land wieder Tourismus anzieht.

Das Argument: mit 11,5 Gewalt-Verbrechen pro 100.000 Einwohner ist es doch gar nicht so schlimm; in Brasilien, Jamaica und Kolumbien sei es gefährlicher. Tolle Begründung: wenn es bei denen noch mieser ist, dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen… – und solange in Irak oder Ruanda mehr Menschen umkommen, wird in Mexico die Situation weiter schöngeredet, oder?

Ähnlich ist es mit dem Bericht, nach dem 12 mex. Strände in diesen Osterferien nicht zum Baden geeignet sind (der Bericht wird seit langem jährlich verfasst und enthält fast immer die gleichen Strände). Prompt beschwert sich der Gouverneur von Veracruz, dass das alles Lüge sei und nur dem Tourismus schade; schliesslich habe man viel Geld investiert, um die Strände sauber zu halten. Dass im ganzen Land die allermeisten Küstenstädte und Hotels am Strand (auch die modernsten) ihre Abwässer ungeklärt ins Meer leiten, erwähnt er nicht. Vor ein paar Jahren ging der Gouverneur von Guerrero in der Bucht von Acapulco mit grossem Medienrummel schwimmen, um zu beweisen, dass die Weltgesundheits-Organisations-Berichte und die Warnungen der mex. Naturschutzbehörden nicht wahr seien (ob er danach in dermatologische Behandlung gehen musste, weiss ich nicht).

Na, denn: ab sofort wird nur noch gutes über Mexico berichtet.

Ich fange schon mal an: heute sind nur 5 10 15 20 30 40 56  X Menschen hingerichtet worden; gestern waren’s mehr, und beim Bürgerkrieg im Kongo sind auch mehr gestorben.

Das ist doch mal eine gute Nachricht, oder? :mrgreen:

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Handy-Registrierung

Um zu verhindern, dass einem die Telefon-Nummer gesperrt wird, muss man bis zum 10. April 2010 seine Handy-Nummer registrieren, und zwar beim sogenannten RENAUT (Registro Nacional de Usuarios de Telefonía Móvil), dem zentralen mex. Handy-Nummern-Register. Wozu diese Datenbank gut ist, weiß wahrscheinlich nur der heilige Felipe de Jesús (wahlweise auch bekannt als El Espurio, Felipillo oder FECAL) und seine Erdnuss-Gang (a.k.a. “el gabinete”). Angeblich hilft es gegen extorsión, Schein-Entführungen und allerhand anderen Telefon-Terror, da ja nun alle registriert sind… – nun ja, wer’s glaubt, wird wahrscheinlich selig.

Um sich anzumelden, muss man von seinem Handy eine SMS-Nachricht mit seiner CURP (Clave Única del Registro Nacional de Población – die mex. Gläserner-Bürger-Registrier-Nummer) an eine bestimmte Telefon-Nummer schicken, die dann anscheinend/scheinbar/tatsächlich/angeblich/de veras/de mentiritas (nichtzutreffendes bitte streichen ;-) ) diese CURP überprüft und eine SMS mit dem Inhalt “Su número telefónico quedó registrado” zurückschickt.

Soweit zur Theorie.

Tatsächlich sieht es momentan so aus, dass dieser famose RENAUT, dem k(aum) ein Mexicaner traut, genauso wie vor einigen Jahren der RENAVE (Registro Nacional de Vehículos, bei dem alle Neuwagen registriert und damit dem Autodiebstahl ein Riegel vorgeschoben werden sollte) ein großer Reinfall werden wird. In den letzten Tagen häufen sich Medien-Berichte, dass sich bisher nicht einmal 20 % der Handy-Nutzer angemeldet haben und die restlichen 80 % sich wohl kaum bis zum 10. April (das ist in weniger als 3 Wochen!) noch registrieren werden (aktuelle Nachrichten dazu bei etwas unabhängigeren Medien im Netz (da scheint von der Regierung eine Maultasche ein Maulkorb verordnet worden zu sein), aber auch bei u.a. Excelsior und El Economista).

Aller Wahrscheinlichkeit nach (so schätze ich) wird die Frist zunächst verlängert; was passiert, wenn auch dieses (und evtl. das nächste) Datum verstreicht, weiss kaum einer – womit wir bei der RENAVE-Geschichte wären: damals noch zu PRI-Zeiten unter Präsident Zedillo kam kurz nach Anlaufen des Neuwagen-Registers heraus, dass die Föderal-Regierung den Auftrag zur Daten-Aufnahme an eine Privat-Firma erteilt hatte, und diese Firma einem Argentinier (also Nicht-Mexicaner) namens Miguel Ángel Cavallo gehörte, der -neben einem Großbetrug mit dem RENAVE- zu argentinischen Militär-Diktatur-Zeiten wohl mit Verschwinden, Folter und Ermordung von Regimegegnern zu tun hatte. Cavallo wurde gefaßt und eingesperrt (was aus ihm geworden ist, ist mir unbekannt) und der RENAVE gestoppt (und denen, die schon zwangsregistriert waren und dafür eine saftige Gebühr hatten berappen müssen, wurde kein Centavo erstattet) (mehr Info zum RENAVE bei Wikipedia (obwohl der Artikel wohl bearbeitet werden sollte)).

Doch zurück zum Thema RENAUT:

Welche CURP man in der SMS, die man versendet, angibt, ist an sich egal; es kann jede sein – z.B. die einiger Vertreter der Politiker-Kaste, verantwortlich für diese beknackte Regelung, wie etwa:

  • Felipe de Jesús Calderón Hinojosa (CURP: CAHF620818HMNLNL09),
  • Elba Esther Gordillo Morales (CURP: GOME450206MCSRRL09 - in Wahrheit heisst sie “Elva”),
  • Andrés Manuel López Obrador (CURP: LOOA531113HTCPBN07),
  • Vicente Fox Quesada (CURP: FOQV420702HDFXSC07 ),
  • Carlos Salinas de Gortari (CURP: SAGC480403HDFLRR03),
  • Miguel de la Madrid Hurtado (CURP: MAHM341212HCMDRG09)

(die CURPs kann man hier nachsehen)

Ob diese Herrschaften schon hunderte oder sogar tausende Handies (oder heisst das Handys? … – oder gar Handy’s??) auf ihren Namen registriert haben, weiss ich nicht – ich habe aber ein Gefühl, es könnte so sein… ;-)

(weiterlesen: http://www.luisdzib.com/59)

P.S. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass hier nur ein Spass gemacht wird, das ganze lediglich zu Illustrationszwecken der Absurdität des RENAUT-Registers dient und somit auf keinen Fall eine Aufforderung zu Straftaten oder Identitätsklau whatsoever darstellt. Ihr wisst schon: “Kids (and adults), don’t try this at home!”

:lol:

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Aktualisierung vom 24.03.10:

Der erste Schritt  ist getan: die ständige Parlaments-Komission für Kommunikation hat/wird eine Verlängerung der Anmelde-Frist zum RENAUT um 6 Monate bis zum 10. Oktober 2010 unterschreiben. Der notwendige formelle Parlaments-Beschluss ist (fast) Formsache (mehr bei El Universal).

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Aktualisierung vom 26.03.10:

Die Cámara de Diputados hat schon mit grosser Mehrheit für eine Verlängerung der Anmelde-Frist bis zum 10. April 2011 (!) gestimmt; nur der Senado de la República ist/war nicht dafür. Besonders die Mobil-Telefon-Betreiber werden Millionen-Verluste einfahren, wenn von jetzt auf gleich Millionen von Handy-Nummern deaktiviert werden müssen.

Böse Stimmen behaupten, dass in ein paar Tagen, wenn die Mobil-Telefon-Betreiber-Firmen “Geschenke” an die Damen und Herren senadores verteilt haben, doch noch für die Frist-Verlängerung gestimmt werden wird.

Warten wir’s ab (mehr beim El Universal).

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Alternative Zukunftspläne

Ob das hier wohl stimmt?

Angesichts des immer größeren Chaos in Mexico (jetzt sperren narcos sogar schon Autobahnen und berauben die Leute ihrer Autos am hellichten Tag auf offener Straße) und der drohenden Unregierbarkeit (wehe, man sagt das der Regierung… – sie verwendet mehr Energie darauf, den failed state mit beleidigten Statements zu dementieren als tatsächlich etwas zu tun) sollte man die Rückkehr-Alternative im Blick behalten.

Vorletzte Woche sprach ich mit einem Rechtsanwalt (geborener Mexicaner, aber Sohn von Spaniern), der momentan für sich und seine Familie in den trámites zur Erlangung der spanischen Staatsangehörigkeit steht. Sein Argument: “Wenn es hier so weitergeht oder ein Mensch wie López Obrador an die Macht kommt, machen wir uns aus dem Staub. Wenn man schon die Möglichkeit hat, sollte man sie nutzen. Arme Mexicaner, die bleiben müssen…”

Also: schnell die deutsche Staatsangehörigkeit für die Kinder beantragen. 8-)

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Ebrard’s Sponsor

Official Sponsor of the Mexico City Government

Im Dezember ließ sich die DF-Regierung ihren “höchsten Weihnachtsbaum der Welt” (ein Metallgerüst mit Lämpchen, das den Verkehr auf dem Paseo de la Reforma erheblich behinderte) von Pepsico bezahlen. Nun wird auch das Festival del Centro Histórico (so hieß es früher; heute nennt man es neoliberal-marketingtechnisch ausgeklügelt  “fmx”) von der Zuckerbrause-Firma gesponsort.

Ob Pepsi demnächst auf seinen Plastikflaschen und Aludosen einen Werbe-Hinweis mit “Official Sponsor of the Mexico City Government and Presidential Candidate Marcelo Ebrard” haben wird? ;-) Neu wäre das nicht… - schließlich war Ex-Präsident Vicente Fox vorher Manager von Coca-Cola.

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