Posts Tagged Politiquillos

Tüten-Tod

Wer schon mal was gekauft hat in Mexico, der kennt das: bei jedem noch so kleinen Kauf gibt es ein Plastiktütchen dabei; selbst, wenn die Sache sowieso schon eingepackt ist. Im Supermarkt gibt es eine Horde von freiwilligen Helfern (zu 100% subventioniert von den Kunden, die ihnen nach getaner Arbeit ein paar Münzen zustecken), die gleich hinter dem piependen Preis-Scanner an der Kasse alles in Dutzende Plastiktüten einpacken, und wenn man sie bittet, es nicht einzutüten, einen blöd angucken.

Bis vor etwa 2 Jahren waren diese Tüten im Supermarkt ausserdem praktisch: sie dienten als Beutel für den häuslichen Mülleimer, so dass man keine Abfalltüten kaufen musste. Aber seither wurden sie immer dünner; meist sind sie beim Nach-Hause-Kommen schon löchrig und damit z.B. für die Küche unbrauchbar.

Nun soll es in der Stinkestadt (a.k.a. Mexico City oder Distrito Fecal Federal) damit vorbei sein. Morgen tritt ein lokales Gesetz in Kraft, dass das unentgeltliche Ausgeben von Plastiktüten verbietet (angeblich aus Umweltschutz-Gründen), und bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen bis zu 1 Mio. Pesos.

Die Plastiktüten-Industrie beklagt sich natürlich am Lautesten; schliesslich geht es um ihre Existenz, denn laut ihren Berechnungen soll der Tütenverkauf nun 30% zurückgehen und die Supermärkte 10% weniger verkaufen (Wo haben die denn das her? Als ob ich wegen ein paar Tüten mehr oder weniger kaufen würde…).

Und ich als Verbraucher frage mich: Werden die Waren im Supermarkt nun ein paar Pesos billiger, weil jetzt keine kostenlosen Tütchen mehr verteilt werden? Wie wird die Bevölkerung, die gewohnt ist, alles eingepackt zu bekommen, damit umgehen? Wird jetzt einfach alles ungeordnet in den Kofferraum geworfen (Sam’s-Kunden haben evtl. Vorteile; dort gibt es schon lange keine Umsonst-Tüten mehr)? Werden die Verbraucher daran denken, eine Tasche mitzubringen, wenn sie einkaufen gehen (mit den Pfandflaschen hat das nicht geklappt, weswegen sie fast verschwunden sind)?

Fragen über Fragen, auf die die Antworten bald kommen werden. Wenn die Plastiktüten-Verbannung allerdings so abläuft wie die famose Mülltrennung, wird es wohl noch Jahre dauern bis da was greifbares passiert.

(Mehr dazu)

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Ölpest im Golf von Mexiko (II)

Katastrophen-Verursacher BP und die US-Behörden bekommen die Lecks nicht in den Griff – jedenfalls nicht so schnell, wie anfangs versprochen (warum nur wundert mich das nicht…? :-| ). Von ursprünglich 160.000 Liter “stieg” die aus den drei Bohrlöchern ausströmende tägliche Menge Rohöl auf das 5-fache (800.000 Liter) – und trotz der Verschliessung eines der Lecks soll sich die Menge nicht verringern.

Heute morgen hörte ich in den mex. Nachrichten, BP hätte zugegeben, dass es 1.400.000 Liter am Tag seien – fast das 9-fache! Ob das allerdings stimmt, weiss ich nicht; auf anderen internationalen und US- Nachrichten-Seiten steht (noch?) nichts davon.

Strände und Mangroven an der US-Südküste sind mittlerweile verseucht; ob die theoretischen Berechnungen über Meeres- und Wind-Strömungen und die deswegen voraussichtlich verschmutzten Küstenabschnitte tatsächlich so eintreten wie vorhergesagt, wage ich als jemand, der mit solchen Dingen (= Geographischen Informations-Systemen (GIS)) arbeitet, aus Erfahrung (!) zu bezweifeln. Sprich: ich bin mir ziemlich sicher, dass in den nächsten Wochen auch die mexicanische Golf-Küste in Mitleidenschaft gezogen wird.

Aber was rede ich da… – ich bin doch keiner von diesen ”Experten”. :lol: ;-)

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Der Dorn im Auge des Nachbarn

Als vorige Woche im US-Bundesstaat Arizona das hier in Mexico so genannte “Anti-Immigranten-Gesetz” (“ley anti imigrantes”) verabschiedet wurde, ging ein grosser Sturm der Entrüstung durch die mexicanischen Medien. “Diskriminierend”, “menschenverachtend”, “fördert Hass und Intoleranz”, “Lasst uns Arizona boykottieren” und andere Aufrufe hörte (und hört) man – natürlich auch von Politikern, die (wieder mal) auf den fahrenden Zug aufsprangen, um wenigstens etwas Profil zu zeigen. Präsident Calderón verurteilte es ebenso und  forderte US-Präsident Obama auf, das Gesetz rückgängig zu machen.

Jetzt kam ein Bericht von Amnesty International heraus, der zeigt, dass Mexico nicht nur kein Kind von Traurigkeit ist, was Menschenrechts-Verletzungen angeht (das weiss eigentlich jeder, der mal in einer mex. Zeitung geblättert oder mit der mex. Polizei zu tun gehabt hat), sondern, dass die Behörden durchreisenden, illegalen migrantes aus mittel- und südamerikanischen Ländern noch schlimmeres antun, als es das Gesetz in Arizona vorsieht.

Klaus Ehringfeld vom Handelsblatt weiss mehr dazu.

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Werbung und Wirklichkeit

In den letzten Wochen wirbt das mex. Bundes-Arbeits-Ministerium (und damit die mex. Regierung) damit, seit Beginn des Jahres soundsoviel tausend neue Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Dass ich dem skeptisch gegenüberstehe, brauche ich wohl nicht ausdrücklich zu schreiben, aber nehmen wir einmal an (wohlwollend wie wir sind ;-) ), die Wirtschaft hat tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen.

Dazu habe ich mal auf den Job-Portalen nach offenen Stellen geschaut und alles (!), was mir (für einen zumindest dem meinigen verwandten Berufs-Zweig) untergekommen ist, ist in etwa so:

Posten: IT-Leiter und -Koordinator

Bildungsgrad: abgeschlossenes Uni-Studium Informatik (títulado)

Alter: 30 bis 40 Jahre, “exzellentes Äusseres”

Erforderliche Kenntnisse: mindestens fünf Jahre im IT-Bereich mit folgender Verantwortung: Auswertung und Administration von IT-Projekten, Datenbank-Administration und -Nutzung (unbedingt), Programmierung und Entwicklung von Applikationen in-house (unbedingt), Entwicklung von Politiken und Prozessen für die IT-Abteilung, business reports, Kenntnisse in Buchhaltungs- und akademischen Systemen, Implementation von Hard- und Software-Projekten, Englisch-Kenntnisse: 80% (Fähigkeit, ein Verhandlungs-Gespräch sicher zu führen und Fachbegriff-Kenntnisse im IT-Bereich)

Aufgaben: Planung und Kontrolle für/von Personal und Material zur Instandhaltung, Entwicklung und Anwendung von technischen Lösungen, die Vorteile zur Konkurrenz erlauben

Bis dahin ist ja alles noch OK. Und dann liest man, was die einstellende Firma bereit ist zu zahlen:

6.000,- Pesos netto (momentan etwa 350 Euro)

:shock: :mad:

… und so wird es mit den meisten anderen Jobs auch sein; konkret: es mag sein, dass wieder eingestellt wird, aber aufgrund des Überangebots an Arbeitskräften werden die Preise dermassen gedrückt, dass es schon Lohn-Dumping ist. Im obigen Fall frage ich mich auch: wieviel bekommen wohl die, die unter diesem IT-Leiter arbeiten? Mindestlohn?

Wie heisst es so schön am Ende des Werbespots des gobierno federal: “No pido mucho. Pido trabajo. Y ya lo tengo.” (zu deutsch: “Ich verlange nicht viel. Ich möchte eine Arbeit. Und nun habe ich sie.”)

Was dabei wahrscheinlich geschnitten wurde, war der Folgesatz: “Pero no gano suficiente para poder vivir. Y menos para ‘Vivir mejor’.” (“Aber ich verdiene nicht genug zum Leben. Und noch weniger zum ‘Besser leben’ [Werbespruch der Calderón-Regierung])

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Öl im Golf von Mexiko

Die mex. Medien scheint der Vorfall nicht sonderlich zu interessieren; lediglich Randnotizen wie im El Universal werden publiziert.

Aus der Öl-Quelle unter der gesunkenen BP-Bohrinsel vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana treten täglich mehr als 160.000 Liter Rohöl aus, und es ist bisher kein Erfolg beim Verschluss der beiden Löcher abzusehen. Etwa 60 Kilometer vor der US-Küste gibt es bereits einen 1.500-Quadratkilometer-grossen Öl-Teppich, von dem man nicht weiss, wohin er sich bewegen wird – momentan sind die Amis froh, dass er von der Küste weg Richtung Süden treibt (Quelle 1, Quelle 2).

Wenn es dann soweit ist und touristisch wichtige Zonen wie Tecolutla, die Costa Esmeralda und/oder die gesamte Golf- Küste bis nach Celestún, Progreso, Ría Lagartos, Isla Holbox und evtl. Cancún verseucht sind/ist, wird bestimmt wieder laut geheult… – aber solange die Öl-Pest “weit weg” ist, ist (wieder einmal) das Interesse niedrig.

“En México nunca pasa nada, hasta que pasa, y cuando pasa, todos decimos: ‘Pues, tenía que pasar’ (Cantinflas)

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Handy-Registrierung (III)

Gestern gelesen: es gibt etwa 12.000 Handy-Linien, die auf den Namen Felipe Calderón registriert wurden.
Insgesamt sollen (laut diesem Kommentar) zwei Millionen Telefone auf den Namen des mex. Präsidenten und den des Besitzers von Telcel, Carlos Slim Helú (CURP: SIHC400128HDFLLR01) angemeldet worden sein.

¡Yo no fui! (Ich war’s nicht!) :lol: ;-)

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Daten-Sicherheit à la mexicana

Heute im El Universal:

In Tepito (dem Viertel in Mexico, wo man alles bekommen kann) kann man allerhand aktuelle (2009) Datenbanken kaufen: vom Wähler-Verzeichnis der gesamten Republik (in dem alle über 18-jährigen Mexicaner eingetragen sind) über das Standort-Verzeichnis der öffentlichen Telmex-Telefonzellen (inkl. Nummer), Personal-Daten zu Polizisten (Name mit Foto, Personal-Nr. und Standort), Verzeichnis aller Gefängnis-Insassen (inkl. Standort und eventuelle Haft-Erleichterungen), das Taxi-Verzeichnis des DF bis zur Liste aller Fahrzeuge im Land (beinhaltet: Kfz-Marke, -Modell, -Jahr und Typ (PKW, Luxusauto, Gütertransport, ÖPNV, etc.), Besitzer mitsamt Adresse, Kennzeichen).

Demnächst wird dort wohl auch das RENAUT-Verzeichnis zu finden sein.

Das republikweite Wählerverzeichnis, inklusive nationalem Kfz-Register, der Liste der erteilten Führerscheine in ganz Mexico und anderen “Extras”, kostet US$ 12.000,- und wird auf drei 160-GB-Festplatten ausgeliefert. Besonders beliebt ist es bei narcos und sonstigem kriminellen Gesocks, und -haltet Euch fest- Behörden.

Ist doch alles ein Schnäppchen, oder…? :mrgreen:

… Und was man damit alles machen kann: Leute entführen, erpressen, umlegen (Daten zwischen Wählerverzeichnis und Auto-Register kreuzen), Luxus-Karossen auf Bestellung klauen, Polizisten bedrohen und/oder korrumpieren (Polizisten-Register mit Wählerverzeichnis vergleichen), und, und, und,… (und das sind nur die allersimpelsten Daten-Auswertungen) - der Phantasie krimineller Hirne sind keine Grenzen gesetzt und wenn man was wirklich kann in diesem Land, dann ist es, immer wieder neue Wege zu finden, um die eigene Geldbörse auf möglichst leichte Art zu füllen und anderen das Leben zur Hölle zu machen.

Aber: in Brasilien und Jamaica werden bestimmt mehr Daten geklaut pro 100.000 Einwohner und mit ihrer Hilfe mehr Leute ermordet, erpresst, entführt,… (pro 100.000 Einwohner, versteht sich) – und trotzdem reden Brasilianer und Jamaicaner nicht schlecht über ihr Land! :mrgreen:

(Quelle 1, Quelle 2)

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Handy-Registrierung (II)

Was die Verlängerung der Anmeldefrist zum berühmten Nationalen Mobiltelefon-Benutzer-Register RENAUT (Registro Nacional de Usuarios de Telefonía Móvil) angeht, habe ich mich wohl geirrt. Ich nehme an, die Betreiber-Firmen haben nicht genügend “Vergünstigungen” springen lassen, um die Senatoren zu “überzeugen”.

Trotzdem -und das ist nichts neues- bleiben da noch mehrere Haare und Fliegen in der Suppe der schönen heilen Welt der totalen Handy-Benutzer-Überwachung:

  1. das das RENAUT begleitende Gesetz, nach dem eine telefonische Belästigung eine Straftat ist, die entsprechend geahndet wird, existiert gar nicht. :shock:
    Laut den Bestimmungen im Diario Oficial de la Federación (DOF – das mex. Bundes-Gesetzblatt) hatten die beiden Parlaments-Kammern Cámara de Diputados und Senado de la República 180 Tage nach In-Kraft-Treten des RENAUT-Gesetzes Zeit, dieses zu verabschieden. Nun sind mehr als 400 Tage verstrichen und das Auf-den-Weg-Bringen des Gesetzes ist selbst in der Cámara de Diputados in weiter Ferne.
  2. wie nicht anders zu erwarten, benehmen sich die Handy-Benutzer wie echte Mexicaner: sie registrieren ihr Mobiltelefon im allerletzten Moment (dass das eine mex. idiosincrasia ist, sagen auch die allermeisten Mexicaner). Obwohl die RENAUT-Betreiber und -Programmierer genau wissen (sollten?), dass es zum Ende der Frist hin ein exponentiell gesteigertes Daten-Aufkommen gibt, sind die Systeme auf den Ansturm nicht vorbereitet, obwohl sie seit mehr als einem Jahr operieren und Zeit genug war, die Kapazitäten zumindest temporär anzupassen (Server anmieten, mirrors erstellen, etc., etc.).
  3. in der Folge von Punkt 2. konnten mehrere Millionen von Handy-Nutzern ihr Telefon nicht rechtzeitig registrieren und die Bestätigungs-Nachricht erhalten. Obwohl es immer hiess, am 11.04.2010 ab 0.00 Uhr würden Leitungen gekappt, wenn sie nicht registriert sind, wurde die Frist kurzerhand bis zum 14.04.2010, 23.59 Uhr (heute!) verlängert.
    Der Betreiber Telefónica Movistar hatte vorher schon angekündigt, Linien seiner Firma nicht ab dem 11.04. abzuschalten und unregistrierten Handy-Nutzern weiterhin Service zu geben.
  4. es gibt keine Form des Beweises der Handy-Nutzer, dass die Registrierung erfolgt ist, ausser -in manchen Fällen- eine SMS mit den Worten (sinngemäss): “Su línea quedó registrada.” Wer sich telefonisch angemeldet hat, hat nichts greifbares.
    Ich z.B. war blöd genug, mich und meine Linie schon im April 2009 zu registrieren und bekam sofort genannte SMS. Mittlerweile habe ich das Telefon aber nicht mehr, sondern ein neues mit neuem SIM-Chip, aber derselben Telefon-Nummer. Die SMS auf dem mittlerweile verkauften alten Handy habe ich selbstverständlich vor dem Verkauf gelöscht. Falls mir die Linie demnächst -absichtlich oder durch einen Fehler in Datenbank und/oder System- gesperrt wird, wie beweise ich, dass ich mich registriert habe?
    Eine Lösung wäre die Einrichtung einer Webseite, auf der man in einem Fenster völlig anonym (s)eine Handy-Nummer eingeben kann und erfährt, ob die Linie registriert ist/wurde oder nicht.

Übrigens: in Tepito, einer landesweit bekannten Gegend, wo man von Piraten-CDs bis grosskalibrigen Waffen alles mögliche illegale bekommt, kann man seit Tagen bereits registrierte SIM-Chips kaufen – auf wessen Namen sie angemeldet sind, bleibt das Geheimnis der Verkäufer. Für 130 Pesos bekommt man eine neue, funktionierende Telefon-Nummer und 90 Pesos Guthaben.

…Und so lebt Mexico wieder einmal in grosser Sorge… – diesmal, dass das über alles geliebte Handy plötzlich aufhört zu funktionieren und das Guthaben futsch ist. Da geht die Nachricht, dass seit Beginn von Präsident Calderón’s “Guerra contra las Drogas” mehr als 22.000 Menschen ihr Leben lassen mussten, völlig unter.

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Korruptions-Report für Mexico

Trace International hat seinen BRIBEline Report für Mexico veröffentlicht. Ausgewertet wurden Umfrage-Ergebnisse zur Korruption in Mexico zwischen dem 11.07.07 und 06.01.10.

Einige der Ergebnisse zusammengefasst:

Bitten um eine “kleine Spende”:

  • von Angestellten der Behörden und der Regierung: 85 % (davon: Polizei (45 %), Föderal-Regierungs-Bedienstete (12 %), Bundesstaats-Angestellte (10 %), Bedienstete staatseigener Firmen (6 %), Stadtverwaltungs-Angestellte (4 %), Richter und Justiz-Bedienstete (4 %), Militärs (2 %), Repräsentanten der jeweils regierenden Partei (2 %))
  • 55 % der Befragten gaben an, dass eine Bestechungs-Anfrage von der selben Person oder Institution wiederholt vorkam (es also mit einer mordida nicht getan war). 15 % von diesen gaben an, mehr als 100 Anfragen zu “aussergewöhnlicher Zahlung” erhalten zu haben.
  • Neben Bargeld (in 80 % der Fälle) wurde ausserdem folgende nicht-baren “Vergünstigungen” akzeptiert: zusätzliche Aufträge/Geschäfte (5 %), sexuelle “Gefälligkeiten” (4 %), Bezahlung von Arztrechnungen oder Schulgeld (4 %), Geschenke, Hotel-Aufenthalte oder Entertainment-”Einladungen” (4 %) und Reisen (2 %)
  • 65 % der Bestechungs-Gelder waren unter US$ 5.000,-; 6 % mehr als US$ 50.000,-

(mehr dazu ist nachzulesen im Trace International BRIBEline Mexico Report (PDF-Format), El Universal)

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… – Ach so, bevor ich’s vergesse: in Nigeria und Somalia ist die Korruption bestimmt noch viel schlimmer. Deshalb ist eigentlich unerklärlich, weswegen 2009 die Investitionen ausländischer Firmen in Mexico um 50,8 % zurückgegangen sind (Quelle).

;-)

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Datenabgleich á la mexicana

Tenencia 2010 Wieder einmal flattert mir ein Steuer-Bescheid aus dem Distrito Federal ins Haus (oder viel mehr: ins Haus meiner Schwiegermutter). Darauf wird schon im dritten Jahr hintereinander die lokale Kfz-Steuer (= tenencia) des jeweiligen ejercicio fiscal verlangt.

An sich ist das nichts neues und nicht der Rede wert; schließlich muß jede Regierung Steuergelder eintreiben und sich finanzieren. In meinem Fall ist das allerdings etwas seltsam, weil der Wagen, für den die Steuer verlangt wird, seit ebenjenen drei Jahren im Estado de México angemeldet ist.

Als ich meinen guten alten VW Käfer (in der Zwischenzeit längst verkauft) im Januar 2008 auf meinen Wohnsitz im EdoMex. ummeldete, gab ich beim zuständigen Verkehrsamt sowohl Fahrzeugschein (tarjeta de circulación) als auch beide DF-Kennzeichen ab und bekam sofort neue Nummernschilder des Estado de México, eine entsprechende tarjeta de circulación auf meinen Namen und den Daten des Fahrzeugs und den ‘hübschen’ Aufkleber mit der Kennzeichen-Nummer, den (aus mir unverständlichen Gründen) jedes Auto auf einer der Scheiben kleben haben muß. Laut Aussage der Beamten auf dem Verkehrsamt wurden sowohl Kfz-Schein als auch Nummernschilder an die DF-Behörden geschickt und damit der Wechsel des Bundesstaates angezeigt.

Nun ja, offenbar ist da irgendetwas falsch gelaufen, was mich eigentlich gar nicht wundert. Mexicanische Behörden (und auch viele Firmen) sind im Daten-Abgleich und der Eingabe von veränderten Daten (im SQL-Kauderwelsch ist das das U von CRUD) nicht die Stärksten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.

P.S. Übrigens: das Wahlversprechen von Calderón, die Kfz-Steuer auf Republik-Ebene abzuschaffen (die tenencia federal) ist längst eingehalten worden (siehe das entsprechende Gesetz). Die, die aber kein Interesse daran haben, dass das publik wird, sind die Bundesstaaten; die behalten nämlich die tenencia federal in ihrer eigenen Tasche. Das Eintreiben der tenencia ist optional, nicht obligatorisch, und bisher ist der einzige Staat, der sie abgeschafft hat, der Bundesstaat Querétaro.

Beschwerden dazu sollten an den jeweiligen gobernador (“meiner” ist Babyface Peña Nieto) gehen; der Präsident hat die Steuer nämlich tatsächlich (ich hab’s zuerst auch nicht geglaubt…) gestrichen.

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