Gestern im Morgengrauen bekam der Fussballer Salvador Cabañas (er ist war wohl ein Hoffnungsträger für Paraguay bei der kommenden Fussball-WM) in einer Bar im Süden von Mexiko-Stadt einen Kopfschuss ab. Die Umstände sind nicht ganz klar - wie so oft in Mexico, wo alle mutmassen und die Fakten immer erst nach und nach herauskommen. Anscheinend war Cabañas auf dem Weg zum Klo mit ein paar Männern aneinandergeraten; ob es ein von Zaun gebrochener Streit war oder der Versuch, Cabañas auszurauben, weiss man (noch?) nicht – Tatsache ist, dass einer der Männer eine Pistole zog und Cabañas in den Kopf schoss. Der Fussballer konnte in einer Notoperation gerettet werden – wenn man das so sagen kann, denn die Kugel konnte nicht entfernt werden und steckt weiterhin im Hirn des Opfers. (mehr dazu hier)
So. Aber was kommt jetzt?
Hm, blicken wir mal zurück: seit vielen Jahren sind “Express-Entführungen” per Telefon schon fast Normalität. Da klingelt das Handy, man antwortet und eine weinerliche Stimme schluchzt etwas von: “Papa, hilf mir! Die halten mich hier fest.” Dann kommt sofort die feste Stimme des “Entführers” und fordert, dass hurtig ein Batzen Geld auf ein Konto eingezahlt werden solle, sonst ginge es dem Familienangehörigen schlecht. Oft verfallen die Leute in Panik, versuchen, alle möglichen Familienangehörigen anzurufen und zahlen dann, wenn sie das vermeintliche Opfer nicht erreichen können.
Lange Zeit hat das keinen Politiker interessiert – bis vor etwa zwei Jahren während einer Plenarsitzung eine senadora angerufen wurde, den Spuk glaubte und sprichwörtlich aus den Latschen kippte (sprich: sie fiel in Ohnmacht). Daraufhin wurde sogar die Sitzung abgebrochen!
Die Konsequenz: auf einmal war das Thema hochwichtig; es hatte ja jemanden von den oberen 10.000 getroffen – nein, das kann man unmöglich durchgehen lassen! Da muss sofort gehandelt werden!
Und es wurde gehandelt: seit April 2009 müssen alle neuerworbenen Handy-Nummern registriert werden. Dass dieses Gesetz wieder mal ein unüberlegter, dilettantischer Schnellschuss war, brauche ich wohl nicht zu sagen: man schickt per SMS seine CURP (das ist sozusagen die Gläserner-Bürger-Nummer Mexicos; offiziell: Clave Única de Registro de Población) an eine bestimmte Nummer und schwupp – ist die absendende Telefon-Nummer registriert. Nur: man kann jede beliebige CURP eingeben, und niemand würde das nachprüfen können (im Internet schwirrt die CURP des Präsidenten Felipillo herum, so dass wahrscheinlich tausende Handies auf ihn gemeldet sind). Die Idee dahinter ist, wenn das Telefon für eine Missetat verwendet wird, man den Übeltäter schnell fassen kann, weil man weiss, wer er ist… – wer’s glaubt, wird wahrscheinlich seelig.
Was hat das Ganze mit Cabañas’ Kopfschuss zu tun?
Ich denke, jetzt werden wieder Stimmen laut (um nicht zu sagen: das Gezetere geht los), man müsse die Bevölkerung besser schützen. Jeden Tag (!) sehe ich im Vorbeigehen auf dem Titelbild der Boulevard-Zeitung “El Gráfico” einen anderen übel zugerichteten Ermordeten: mal mit Kopf- oder Bauchschuss, mal zerstückelt, mal ohne Kopf (oder nur den Kopf), mal verbrannt. Bisher hat das keinen der Politiker interessiert. Nun wurde ein prominenter Fussballspieler (fast) erschossen. Da muss was passieren…
Deshalb schlage ich vor, dass ab sofort alle Fussballspieler einen Helm tragen müssen – so einen wie Petr Cech vom FC Chelsea (besser wäre ein Stahlhelm, aber der wiegt zu viel). Stellt Euch vor, da schiesst ein Zuschauer oder Mitspieler im Azteken-Stadion auf den Mann, der gerade einen Elfmeter verschossen hat? Das darf nicht sein! Wo kämen wir denn da hin?
Also: Helmpflicht. Wer ihn nicht trägt, wird eingesperrt; am besten mit verurteilten Mördern.
Wäre das eine Idee?
P.S. Bloss nicht ernstnehmen, diese Ausführungen. Das ist Ironie und bitterböser, schwarzer Sarkasmus, also Satire!
Update (27/01/10, 9.30 Uhr): gestern hatte der Oberstaatsanwalt des DF schon die Namen der Verdächtigen veröffentlicht; die Fahndung nach ihnen ging los. Jetzt stellte sich heraus, dass der eine seit zwei Wochen im Knast sitzt, und der andere ganz anders heisst (sagt jedenfalls eine Ex-Integrantin von Big Brother, die sich von ihm ein Kind hat machen lassen ein Kind von ihm bekommen haben will hat).
Mal sehen, wie dieses Schmierentheater weitergeht – in den Fällen “Lobohombo” und “New’s Divine” hat sich die DF-Regierung ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. ¡Viva el procurador general del Distrito Federal! Viva el estado de derecho y la seguridad personal en México!
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