Posts Tagged Marcelo Ebrard Causabón

Tüten-Tod

Wer schon mal was gekauft hat in Mexico, der kennt das: bei jedem noch so kleinen Kauf gibt es ein Plastiktütchen dabei; selbst, wenn die Sache sowieso schon eingepackt ist. Im Supermarkt gibt es eine Horde von freiwilligen Helfern (zu 100% subventioniert von den Kunden, die ihnen nach getaner Arbeit ein paar Münzen zustecken), die gleich hinter dem piependen Preis-Scanner an der Kasse alles in Dutzende Plastiktüten einpacken, und wenn man sie bittet, es nicht einzutüten, einen blöd angucken.

Bis vor etwa 2 Jahren waren diese Tüten im Supermarkt ausserdem praktisch: sie dienten als Beutel für den häuslichen Mülleimer, so dass man keine Abfalltüten kaufen musste. Aber seither wurden sie immer dünner; meist sind sie beim Nach-Hause-Kommen schon löchrig und damit z.B. für die Küche unbrauchbar.

Nun soll es in der Stinkestadt (a.k.a. Mexico City oder Distrito Fecal Federal) damit vorbei sein. Morgen tritt ein lokales Gesetz in Kraft, dass das unentgeltliche Ausgeben von Plastiktüten verbietet (angeblich aus Umweltschutz-Gründen), und bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen bis zu 1 Mio. Pesos.

Die Plastiktüten-Industrie beklagt sich natürlich am Lautesten; schliesslich geht es um ihre Existenz, denn laut ihren Berechnungen soll der Tütenverkauf nun 30% zurückgehen und die Supermärkte 10% weniger verkaufen (Wo haben die denn das her? Als ob ich wegen ein paar Tüten mehr oder weniger kaufen würde…).

Und ich als Verbraucher frage mich: Werden die Waren im Supermarkt nun ein paar Pesos billiger, weil jetzt keine kostenlosen Tütchen mehr verteilt werden? Wie wird die Bevölkerung, die gewohnt ist, alles eingepackt zu bekommen, damit umgehen? Wird jetzt einfach alles ungeordnet in den Kofferraum geworfen (Sam’s-Kunden haben evtl. Vorteile; dort gibt es schon lange keine Umsonst-Tüten mehr)? Werden die Verbraucher daran denken, eine Tasche mitzubringen, wenn sie einkaufen gehen (mit den Pfandflaschen hat das nicht geklappt, weswegen sie fast verschwunden sind)?

Fragen über Fragen, auf die die Antworten bald kommen werden. Wenn die Plastiktüten-Verbannung allerdings so abläuft wie die famose Mülltrennung, wird es wohl noch Jahre dauern bis da was greifbares passiert.

(Mehr dazu)

Tags: , , , ,

Morde Deinen Fötus, sei glücklich – die Statistiken

Diese Zahlen wurden auf Anfrage des Kollegs katholischer Rechtsanwälte (was es nicht alles für Schulen gibt…) vom Gesundheits-Ministerium (Secretaría de Salud) des DF mitgeteilt (sie sind also hochoffiziell) und umfassen den Zeitraum vom 27. April 2007 (Tag, an dem das Gesetz in Kraft trat) bis zum 31. Januar 2010.

Zahl der Abtreibungen pro delegación:

  • Álvaro Obregón: 2.507
  • Azcapotzalco: 2.113
  • Cuajimalpa: 1.411
  • Cuauhtémoc: 465
  • Gustavo A. Madero: 5.199
  • Iztapalapa: 3.811
  • Magdalena Contreras: 1.086
  • Milpa Alta: 657
  • Tláhuac: 1.154
  • Tlalpan: 576
  • Venustiano Carranza: 14.930 (!)
  • Xochimilco: 1.975
  • gesamt: 35.884

Familienstand der “Patientinnen”:

  • ledig: 52,9% (!)
  • verheiratet: 17,9%
  • geschieden: 2,9%
  • Lebensabschnittsgemeinschaft (unión libre): 25,8%
  • verwitwet: 0,4%
  • keine Antwort: 0,1%

Altersgruppen:

  • 11 bis 14 Jahre: 0,7%
  • 15 bis 17 Jahre: 4,7%
  • 18 bis 24 Jahre: 47,2% (!)
  • 25 bis 29 Jahre: 21,8%
  • 30 bis 34 Jahre: 13,9%
  • 35 bis 39 Jahre: 8,0%
  • 40 bis 44 Jahre: 2,6%
  • 45 bis 54 Jahre: 0,2%
  • nicht erfasst: 1,0%

Die Interpretation der Daten überlasse ich jedem selber. Nur soviel: in den 1.011 Tagen im erfassten Zeitraum (nachrechnen?) kamen durchschnittlich mehr als 35 “potentielle” Kinder pro Tag (!) ums Leben (das sind knapp 250 pro Woche oder mehr als 1.085 pro Monat). :shock: :mad: :cry:

Vielleicht wäre in diesem Zusammenhang interessant zu erfahren, wie das Verhältnis zwischen der Anzahl der weiblichen Einwohner jeder Altersgruppe zur Anzahl von Abtreibungen ist (davon ausgehend, dass jede Frau nur einmal abgetrieben hat…).

Tags: , , ,

Morde Deinen Fötus, sei glücklich

Das ist wohl das Motto der aus dem Boden sprießenden ganz legalen (!) Abtreibungs-Kliniken in Mexico-City.

In der Metro z.B. sieht man immer öfter Anzeigen mit glücklich lächelnden jungen Frauen, die suggerieren, eine Abtreibung wäre so etwas wie ein Spa-Besuch (ich zitiere oben abgebildete Werbung):

Eine unerwartete Schwangerschaft?

Es gibt legale Alternativen!

Ruf uns an; wir können Dir helfen…

  • vertrauliche Datenerhebung und exzellenter Service
  • Methoden mit Aussaugen und Tabletten
  • wir befinden uns in der Hospital-Zone in Tlalpan, nur 20 Minuten von der C.U. entfernt
  • wir sind eine seriöse Klinik

Na dann:

Liebe junge Frau: wenn Dir ein paar Tage (bis zu 12 Wochen) nach dem Sex (egal mit wem) der Bauch weh tut, Deine Periode ausbleibt oder Du morgens kotzen musst, gehe einfach zu dieser Klinik und die machen Dir das Kind weg sorgen dafür, dass Dein heißes Abenteuer ohne Folgen bleibt, auch wenn Ihr beide zu blöd wart, Euch zu schützen. Ganz legal, diskret und gar nicht weit weg von der Metro, wo Du dann nach der ambulanten Behandlung hinspazierst, in den Zug steigst, wieder nach Hause fährst, und -das ist das Beste!- keiner hat was gemerkt!

Toll, was?

Naja, dagegen, dass Du Dir später Vorwürfe machst wegen der Tötung, Du depressiv wirst oder Du beim Sex möglicherweise Syphilis, AIDS oder andere Geschlechtskrankheiten abgekriegt hast, können wir nichts tun. Vielleicht beim nächsten Mal Kondom benutzen? – Nee, besser nicht, sonst werden wir arbeitslos…

(Morgen dann die erschreckenden Statistiken zum Fötus-Mord. In Cd. Juárez kommen täglich weniger Menschen durch Tötung ums Leben als Ungeborene in Mexico-City!)

___

Anmerkung: ich bin als zweifacher Adoptiv-Vater natürlich ziemlich biased, weil ich der Ansicht bin, dass es besser ist, ein Kind zu bekommen und evtl. in Adoption zu geben – ich kenne genügend unfruchtbare Paare, die für solch ein Kind (fast) alles geben würden.

Natürlich gibt es Gründe für eine Abtreibung (medizinische oder ethische); dass man sie aber wie im Distrito Federal zur Alltags-Prozedur erklärt und ohne jede Einschränkung legalisiert (als wenn man mal eben zum Friseur ginge nach dem Motto: “Morgen kann ich nicht zum Kaffee-Trinken kommen; da lass’ ich mir mal wieder ein Kind wegmachen, das ich im Bauch habe, weil ich keine Lust auf’s Kondom hatte. Aber übermorgen habe ich Zeit.”) halte ich für äusserst fahrlässig und sogar gefährlich für die Gesellschaft.

___

P.S. Interessant  ist in diesem Zusammenhang die Diskussion auf tagesschau.de zum Thema Babyklappe in Deutschland.

Tags: , , ,

Datenabgleich á la mexicana

Tenencia 2010 Wieder einmal flattert mir ein Steuer-Bescheid aus dem Distrito Federal ins Haus (oder viel mehr: ins Haus meiner Schwiegermutter). Darauf wird schon im dritten Jahr hintereinander die lokale Kfz-Steuer (= tenencia) des jeweiligen ejercicio fiscal verlangt.

An sich ist das nichts neues und nicht der Rede wert; schließlich muß jede Regierung Steuergelder eintreiben und sich finanzieren. In meinem Fall ist das allerdings etwas seltsam, weil der Wagen, für den die Steuer verlangt wird, seit ebenjenen drei Jahren im Estado de México angemeldet ist.

Als ich meinen guten alten VW Käfer (in der Zwischenzeit längst verkauft) im Januar 2008 auf meinen Wohnsitz im EdoMex. ummeldete, gab ich beim zuständigen Verkehrsamt sowohl Fahrzeugschein (tarjeta de circulación) als auch beide DF-Kennzeichen ab und bekam sofort neue Nummernschilder des Estado de México, eine entsprechende tarjeta de circulación auf meinen Namen und den Daten des Fahrzeugs und den ‘hübschen’ Aufkleber mit der Kennzeichen-Nummer, den (aus mir unverständlichen Gründen) jedes Auto auf einer der Scheiben kleben haben muß. Laut Aussage der Beamten auf dem Verkehrsamt wurden sowohl Kfz-Schein als auch Nummernschilder an die DF-Behörden geschickt und damit der Wechsel des Bundesstaates angezeigt.

Nun ja, offenbar ist da irgendetwas falsch gelaufen, was mich eigentlich gar nicht wundert. Mexicanische Behörden (und auch viele Firmen) sind im Daten-Abgleich und der Eingabe von veränderten Daten (im SQL-Kauderwelsch ist das das U von CRUD) nicht die Stärksten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.

P.S. Übrigens: das Wahlversprechen von Calderón, die Kfz-Steuer auf Republik-Ebene abzuschaffen (die tenencia federal) ist längst eingehalten worden (siehe das entsprechende Gesetz). Die, die aber kein Interesse daran haben, dass das publik wird, sind die Bundesstaaten; die behalten nämlich die tenencia federal in ihrer eigenen Tasche. Das Eintreiben der tenencia ist optional, nicht obligatorisch, und bisher ist der einzige Staat, der sie abgeschafft hat, der Bundesstaat Querétaro.

Beschwerden dazu sollten an den jeweiligen gobernador (“meiner” ist Babyface Peña Nieto) gehen; der Präsident hat die Steuer nämlich tatsächlich (ich hab’s zuerst auch nicht geglaubt…) gestrichen.

Tags: , , , ,

Ebrard’s Sponsor

Official Sponsor of the Mexico City Government

Im Dezember ließ sich die DF-Regierung ihren “höchsten Weihnachtsbaum der Welt” (ein Metallgerüst mit Lämpchen, das den Verkehr auf dem Paseo de la Reforma erheblich behinderte) von Pepsico bezahlen. Nun wird auch das Festival del Centro Histórico (so hieß es früher; heute nennt man es neoliberal-marketingtechnisch ausgeklügelt  “fmx”) von der Zuckerbrause-Firma gesponsort.

Ob Pepsi demnächst auf seinen Plastikflaschen und Aludosen einen Werbe-Hinweis mit “Official Sponsor of the Mexico City Government and Presidential Candidate Marcelo Ebrard” haben wird? ;-) Neu wäre das nicht… - schließlich war Ex-Präsident Vicente Fox vorher Manager von Coca-Cola.

Tags: , , , , , , , ,

Gedanken zum Cabañas-Kopfschuss

Gestern im Morgengrauen bekam der Fussballer Salvador Cabañas (er ist war wohl ein Hoffnungsträger für Paraguay bei der kommenden Fussball-WM) in einer Bar im Süden von Mexiko-Stadt einen Kopfschuss ab. Die Umstände sind nicht ganz klar - wie so oft in Mexico, wo alle mutmassen und die Fakten immer erst nach und nach herauskommen. Anscheinend war Cabañas auf dem Weg zum Klo mit ein paar Männern aneinandergeraten; ob es ein von Zaun gebrochener Streit war oder der Versuch, Cabañas auszurauben, weiss man (noch?) nicht – Tatsache ist, dass einer der Männer eine Pistole zog und Cabañas in den Kopf schoss. Der Fussballer konnte in einer Notoperation gerettet werden – wenn man das so sagen kann, denn die Kugel konnte nicht entfernt werden und steckt weiterhin im Hirn des Opfers. (mehr dazu hier)

So. Aber was kommt jetzt?

Hm, blicken wir mal zurück: seit vielen Jahren sind “Express-Entführungen” per Telefon schon fast Normalität. Da klingelt das Handy, man antwortet und eine weinerliche Stimme schluchzt etwas von: “Papa, hilf mir! Die halten mich hier fest.” Dann kommt sofort die feste Stimme des “Entführers” und fordert, dass hurtig ein Batzen Geld auf ein Konto eingezahlt werden solle, sonst ginge es dem Familienangehörigen schlecht. Oft verfallen die Leute in Panik, versuchen, alle möglichen Familienangehörigen anzurufen und zahlen dann, wenn sie das vermeintliche Opfer nicht erreichen können.

Lange Zeit hat das keinen Politiker interessiert – bis vor etwa zwei Jahren während einer Plenarsitzung eine senadora angerufen wurde, den Spuk glaubte und sprichwörtlich aus den Latschen kippte (sprich: sie fiel in Ohnmacht). Daraufhin wurde sogar die Sitzung abgebrochen!

Die Konsequenz: auf einmal war das Thema hochwichtig; es hatte ja jemanden von den oberen 10.000 getroffen – nein, das kann man unmöglich durchgehen lassen! Da muss sofort gehandelt werden!

Und es wurde gehandelt: seit April 2009 müssen alle neuerworbenen Handy-Nummern registriert werden. Dass dieses Gesetz wieder mal ein unüberlegter, dilettantischer Schnellschuss war, brauche ich wohl nicht zu sagen: man schickt per SMS seine CURP (das ist sozusagen die Gläserner-Bürger-Nummer Mexicos; offiziell: Clave Única de Registro de Población) an eine bestimmte Nummer und schwupp – ist die absendende Telefon-Nummer registriert. Nur: man kann jede beliebige CURP eingeben, und niemand würde das nachprüfen können (im Internet schwirrt die CURP des Präsidenten Felipillo herum, so dass wahrscheinlich tausende Handies auf ihn gemeldet sind). Die Idee dahinter ist, wenn das Telefon für eine Missetat verwendet wird, man den Übeltäter schnell fassen kann, weil man weiss, wer er ist… – wer’s glaubt, wird wahrscheinlich seelig.

Was hat das Ganze mit Cabañas’ Kopfschuss zu tun?

Ich denke, jetzt werden wieder Stimmen laut (um nicht zu sagen: das Gezetere geht los), man müsse die Bevölkerung besser schützen. Jeden Tag (!) sehe ich im Vorbeigehen auf dem Titelbild der Boulevard-Zeitung “El Gráfico” einen anderen übel zugerichteten Ermordeten: mal mit Kopf- oder Bauchschuss, mal zerstückelt, mal ohne Kopf (oder nur den Kopf), mal verbrannt. Bisher hat das keinen der Politiker interessiert. Nun wurde ein prominenter Fussballspieler (fast) erschossen. Da muss was passieren…

Deshalb schlage ich vor, dass ab sofort alle Fussballspieler einen Helm tragen müssen – so einen wie Petr Cech vom FC Chelsea (besser wäre ein Stahlhelm, aber der wiegt zu viel). Stellt Euch vor, da schiesst ein Zuschauer oder Mitspieler im Azteken-Stadion auf den Mann, der gerade einen Elfmeter verschossen hat? Das darf nicht sein! Wo kämen wir denn da hin?

Also: Helmpflicht. Wer ihn nicht trägt, wird eingesperrt; am besten mit verurteilten Mördern.

Wäre das eine Idee? :idea: :mrgreen:

P.S. Bloss nicht ernstnehmen, diese Ausführungen. Das ist Ironie und bitterböser, schwarzer Sarkasmus, also Satire!

Update (27/01/10, 9.30 Uhr): gestern hatte der Oberstaatsanwalt des DF schon die Namen der Verdächtigen veröffentlicht; die Fahndung nach ihnen ging los. Jetzt stellte sich heraus, dass der eine seit zwei Wochen im Knast sitzt, und der andere ganz anders heisst (sagt jedenfalls eine Ex-Integrantin von Big Brother, die sich von ihm ein Kind hat machen lassen ein Kind von ihm bekommen haben will hat).

Mal sehen, wie dieses Schmierentheater weitergeht – in den Fällen “Lobohombo” und “New’s Divine” hat sich die DF-Regierung ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. ¡Viva el procurador general del Distrito Federal! Viva el estado de derecho y la seguridad personal en México! :lol:

Tags: , , , , , , , , , , , , ,

Die Preiserhöhung in der Metro

Zum Jahresbeginn 2010 wurde der Ticket-Preis in der Metro erhöht.
Eigentlich hätte das schon vor Jahren passieren sollen; die PRD-Stadt-Regierung von Mexico City (= DF) hatte das aber aus politisch-populistischen Gründen immer herausgeschoben und damit unterlassen, obwohl es wirtschaftlich vertretbar und mehr als notwendig war.
Nun, wo die Wirtschaftskrise hart zuschlägt (sämtliche Budgets wurden 2009 und werden 2010 aus dem föderalen Topf weniger Geld bekommen), hat die DF-Regierung gemerkt, dass die Erhöhung unumgänglich ist.

Doch… – wie macht man das dem Volk klar, ohne dass es sich ärgert und protestiert? – Klar, wir machen eine Umfrage!
Also wurden Leute in den Metro-Stationen positioniert, die die Nutzer befragten. Das Ergebnis war dem Wunsch der Regierung entsprechend gut: alle wollten eine Erhöhung des Fahrpreises.

Warum?
Na, man fragte nicht (wie ich es erwarten würde): “a) Bist Du damit einverstanden, dass der Preis für die Metro erhöht wird? – b) Falls ja, wie hoch soll sie sein: ein, zwei oder drei Pesos mehr?”, sondern nur: “Die Metro wird teurer werden. Wie hoch soll die Preiserhöhung sein: ein, zwei oder drei Pesos?”
Natürlich (finde ich) sagten die allermeisten: “Ein Peso!” – Metro-Fahrer sind ja nicht gerade die Wohlhabendsten und angesichts der happigen Steuer-Erhöhungen für 2010 ist für alle eine Fahrpreis-Anhebung eine z.T. schwerwiegende finanzielle Belastung.

Also wurde der Preis von vorher zwei auf nun drei Pesos angehoben. Das hört sich lächerlich an, ist aber eine Erhöhung um 50 % (zur Orientierung: der tägliche Mindestlohn (salario mínimo) stieg für 2010 um ganze 2 (in Worten: zwei) Pesos pro Tag – zweimal Metro-Fahren am Tag und schon ist das Extra-Geld futsch).

Kurz vor Jahresende setzte ein run auf die Fahrkarten-Schalter ein; alle wollten noch schnell so viele Tickets wie möglich zum alten Preis erwerben, um Geld zu sparen. Es soll Leute gegeben haben, die gleich 500 boletos auf einmal kauften; also schränkte die Regierung die Höchstanzahl der Fahrscheine, die man auf einmal kaufen konnte, auf 20 pro Person ein (leicht dümmlich, finde ich: da stellte man sich eben mehrmals an, um doch noch an seine 500 Tickets zu kommen…).

Und die Moral von der Geschicht’?
a) Glaube keiner Umfrage, die Du nicht selbst gefälscht hast, und
b) Solange Du alle Nase lang aus populistischen Gründen wirtschaftlichen Unfug betreiben kannst und das Volk Dir alles glaubt, Dich mitsamt Deinem Humbug durch von ihm gezahlte Steuern finanziert, nicht (oder kaum) protestiert und Dich beim nächsten Mal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wiederwählt, ist die Welt (noch?) in Ordnung.

Tags: , , ,