In den letzten Wochen wirbt das mex. Bundes-Arbeits-Ministerium (und damit die mex. Regierung) damit, seit Beginn des Jahres soundsoviel tausend neue Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Dass ich dem skeptisch gegenüberstehe, brauche ich wohl nicht ausdrücklich zu schreiben, aber nehmen wir einmal an (wohlwollend wie wir sind ;-) ), die Wirtschaft hat tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen.
Dazu habe ich mal auf den Job-Portalen nach offenen Stellen geschaut und alles (!), was mir (für einen zumindest dem meinigen verwandten Berufs-Zweig) untergekommen ist, ist in etwa so:
Posten: IT-Leiter und -Koordinator
Bildungsgrad: abgeschlossenes Uni-Studium Informatik (títulado)
Alter: 30 bis 40 Jahre, “exzellentes Äusseres”
Erforderliche Kenntnisse: mindestens fünf Jahre im IT-Bereich mit folgender Verantwortung: Auswertung und Administration von IT-Projekten, Datenbank-Administration und -Nutzung (unbedingt), Programmierung und Entwicklung von Applikationen in-house (unbedingt), Entwicklung von Politiken und Prozessen für die IT-Abteilung, business reports, Kenntnisse in Buchhaltungs- und akademischen Systemen, Implementation von Hard- und Software-Projekten, Englisch-Kenntnisse: 80% (Fähigkeit, ein Verhandlungs-Gespräch sicher zu führen und Fachbegriff-Kenntnisse im IT-Bereich)
Aufgaben: Planung und Kontrolle für/von Personal und Material zur Instandhaltung, Entwicklung und Anwendung von technischen Lösungen, die Vorteile zur Konkurrenz erlauben
Bis dahin ist ja alles noch OK. Und dann liest man, was die einstellende Firma bereit ist zu zahlen:
6.000,- Pesos netto (momentan etwa 350 Euro)
… und so wird es mit den meisten anderen Jobs auch sein; konkret: es mag sein, dass wieder eingestellt wird, aber aufgrund des Überangebots an Arbeitskräften werden die Preise dermassen gedrückt, dass es schon Lohn-Dumping ist. Im obigen Fall frage ich mich auch: wieviel bekommen wohl die, die unter diesem IT-Leiter arbeiten? Mindestlohn?
Wie heisst es so schön am Ende des Werbespots des gobierno federal: “No pido mucho. Pido trabajo. Y ya lo tengo.” (zu deutsch: “Ich verlange nicht viel. Ich möchte eine Arbeit. Und nun habe ich sie.”)
Was dabei wahrscheinlich geschnitten wurde, war der Folgesatz: “Pero no gano suficiente para poder vivir. Y menos para ‘Vivir mejor’.” (“Aber ich verdiene nicht genug zum Leben. Und noch weniger zum ‘Besser leben’ [Werbespruch der Calderón-Regierung]“)
Tags: Arbeitsmarkt, Felipe Calderón Hinojosa, Gleichgültigkeit, Politiquillos, Populismus, Vivir mejor?