Archiv der Kategorie behörden

Strassenlinien pinseln

So werden in Mexico (hier: Mexico City) die Strassenbegrenzungslinien auf den Asphalt gemalt: man kaufe einen (oder mehrere) Eimer Vinyl-Farbe und schicke die Maler, ausgerüstet mit Pinseln, Rollen, Besenstielen, Maskier-Klebeband und ein paar orangefarbenen Plastik-Hütchen auf die Strasse. Dort wird dann gekleckert werden die Linien como dios manda aufgepinselt.

Es ist also gar nicht verwunderlich, dass die Bemalung nach wenigen Monaten durch Regen, Sonnenlicht und Abnutzung durch darüberfahrende Auto wieder (fast?) verschwunden sind.

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Tüten-Tod

Wer schon mal was gekauft hat in Mexico, der kennt das: bei jedem noch so kleinen Kauf gibt es ein Plastiktütchen dabei; selbst, wenn die Sache sowieso schon eingepackt ist. Im Supermarkt gibt es eine Horde von freiwilligen Helfern (zu 100% subventioniert von den Kunden, die ihnen nach getaner Arbeit ein paar Münzen zustecken), die gleich hinter dem piependen Preis-Scanner an der Kasse alles in Dutzende Plastiktüten einpacken, und wenn man sie bittet, es nicht einzutüten, einen blöd angucken.

Bis vor etwa 2 Jahren waren diese Tüten im Supermarkt ausserdem praktisch: sie dienten als Beutel für den häuslichen Mülleimer, so dass man keine Abfalltüten kaufen musste. Aber seither wurden sie immer dünner; meist sind sie beim Nach-Hause-Kommen schon löchrig und damit z.B. für die Küche unbrauchbar.

Nun soll es in der Stinkestadt (a.k.a. Mexico City oder Distrito Fecal Federal) damit vorbei sein. Morgen tritt ein lokales Gesetz in Kraft, dass das unentgeltliche Ausgeben von Plastiktüten verbietet (angeblich aus Umweltschutz-Gründen), und bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen bis zu 1 Mio. Pesos.

Die Plastiktüten-Industrie beklagt sich natürlich am Lautesten; schliesslich geht es um ihre Existenz, denn laut ihren Berechnungen soll der Tütenverkauf nun 30% zurückgehen und die Supermärkte 10% weniger verkaufen (Wo haben die denn das her? Als ob ich wegen ein paar Tüten mehr oder weniger kaufen würde…).

Und ich als Verbraucher frage mich: Werden die Waren im Supermarkt nun ein paar Pesos billiger, weil jetzt keine kostenlosen Tütchen mehr verteilt werden? Wie wird die Bevölkerung, die gewohnt ist, alles eingepackt zu bekommen, damit umgehen? Wird jetzt einfach alles ungeordnet in den Kofferraum geworfen (Sam’s-Kunden haben evtl. Vorteile; dort gibt es schon lange keine Umsonst-Tüten mehr)? Werden die Verbraucher daran denken, eine Tasche mitzubringen, wenn sie einkaufen gehen (mit den Pfandflaschen hat das nicht geklappt, weswegen sie fast verschwunden sind)?

Fragen über Fragen, auf die die Antworten bald kommen werden. Wenn die Plastiktüten-Verbannung allerdings so abläuft wie die famose Mülltrennung, wird es wohl noch Jahre dauern bis da was greifbares passiert.

(Mehr dazu)

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Irak, Kuwait, der erste Golfkrieg und ich

Am 2. August 1990 überfiel Saddam Hussein’s Irak sein Nachbarland Kuwait und marschierte ein (mehr dazu hier).

Zu dieser Zeit spielte ich schon seit längerem mit dem Gedanken, den Kriegsdienst zu verweigern, obwohl ich (VII/88 - IX/89) “gedient” hatte. Bei den wenigen Schiessübungen zu meiner Zeit als LKW-Fahrer (“Kraftfahrer BCE”) hatte ich mich aus Angst fast immer -mehr oder minder erfolgreich- gedrückt (auch bei einer einwöchigen Übung auf dem Truppenübungsplatz in Ehra-Lessien; da, wo heute Bugattis Geschwindigkeits-Weltrekorde aufstellen). Nun sah ich einen direkten Anlass, meine Verweigerung zu schreiben, zumal ich in der Zeitung gelesen hatte, dass nun Verweigerungen nicht mehr in mündlichen Verfahren vor einem Gericht entschieden wurden, sondern aufgrund der Aktenlage (eine Verhandlung vor Gericht wäre für mich als “Ex-Soldat” sehr schwer geworden, obwohl ich mir die Unterstützung (inkl. persönlichem Erscheinen) unseres Kaplans schon so halbwegs “gesichert” hatte).

Im Oktober 1990 schickte ich mein Kriegsdienstverweigerungs-Schreiben per Post an das zuständige Amt in Köln (wenn ich mich recht erinnere). Ein paar Tage bevor der erste Golfkrieg begann, bekam ich Bescheid per Einschreibe-Brief: seit dem 8. Januar 1991 war ich unanfechtbar (d.h. die 30-tägige Einspruchsfrist war an diesem Tag vorbei) anerkannt als Kriegsdienstverweigerer.

Am 17. Januar 1991 begann die Operation “Desert Storm”, in deren Folge tausende Deutsche (auch noch nachträglich) den Kriegsdienst verweigerten, wohl aus Furcht, in dem Krieg eingesetzt zu werden; selbst (Ex-) Zeitsoldaten, die einen Eid (!) geschworen hatten, “das Vaterland tapfer zu verteidigen” (wir Wehrpflichtige “gelobten” nur), verweigerten (von denen hätte ich als Bundesregierung das ganze (leicht verdiente…?) Geld, dass ich ihnen gezahlt habe für einen Dienst an der Waffe, den sie nun nicht mehr ausüben wollten (aus Gewissensgründen…?) zurück verlangt).

Während meiner gesamten restlichen Studienzeit hingen in meiner Studentenbude in einem Rahmen nebeneinander die Dankesurkunde des Wehrdienstes und eine Kopie des Kriegsdienstverweigerungs-Bescheides an der Wand.

Und als ich einmal -nur wenige Monate nach der Anerkennung- einen Brief zur Wiedereinkleidung von der Bundeswehr bekam, ging ich zum zuständigen Kreiswehrersatzamt (ich machte gerade dort um die Ecke mein erstes Praxissemester), stellte mich dem “Wiedereinkleider” vor und sagte ihm, dass ich die Klamotten gerne nehme, sie aber verkaufen würde. Zuerst verwundert, schaute er sich meinen Verweigerungs-Bescheid an und schmunzelte dann: “Oh, dat wusste ich nicht; werde das mal weiterleiten. Na, Jung’, dann geh’ mal wieder nach Hause.”

Tja, das sind wohl alles Geschichten aus längst vergangenen Tagen; heutzutage machen die deutschen Jünglinge nur noch Wehr- oder Ersatzdienst, falls sie wollen, und nicht, weil es eine (wie ich denke) staatsbürgerliche Pflicht ist, die zu all’ den Rechten untrennbar dazugehört.

Gehackt

¿Trabajamos para ti? ¿Alguien trabaja?

Auf der Suche nach den notwendigen Papieren für ein trámite wurde ich auf die Seite der COFEMER (Comisón Federal de Mejora Regulatoria“Bundes-Behörde zur Regel-Verbesserung” (sprich: zum Bürokratie-Abbau)) geleitet.

Als ich nach mehrmaliger Eingabe des Suchbegriffs immer noch kein Resultat angezeigt bekam, drückte ich den Knopf “ASESORÍAS – Te ayudamos a localizar información contenida en este portal” (“Wir helfen Dir, Information auf diesem Web-Portal zu finden”) und wurde auf diese Seite geschickt (siehe Bildschirm-Kopie oben).

Tja, da war wohl “Theo Ein Türke gegen den Rest der Welt” am Werke, und die ach so effiziente Behörde für den Bürokratie-Abbau pennt.

Ob das davon kommt, dass man solch sicherheitsrelevanten Aufträge immer an cuates vergibt oder an Leute, die einen unter dem Tisch mit Geld versorgen, anstatt an kompetente Firmen…? Wundert es noch jemanden, dass man in Mexico geheime persönliche Daten so einfach an jeder Strassenecke bekommen kann, wenn Regierungs-Portale von irgendeinem dahergelaufenen Hacker geknackt werden können?

Da bekommt auch der auf der Seite stehende Regierungs-Werbe-Slogan einen ironisch-sarkastischen Einschlag:

“Trabajamos para ti” (Wir arbeiten für Dich)

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Nullen in der Pass-Nummer

Bei SPON erschien letztens ein Artikel, der für alle USA-Reisenden oder -Durchreisenden mit deutschem Pass wichtig werden kann: bei den neuen Reisepässen ab Ende 2007 (die “biometrischen”) ist es nahezu unmöglich in der alphanumerischen Pass-Nummer (die man bei der Anmeldung beim Online-ESTA benötigt) zwischen dem Buchstaben O und der (Nicht-) Zahl 0 zu unterscheiden.

Kleiner Tip: in der Pass-Nummer gibt es keine Os, sondern nur Nullen.

Mehr dazu in diesem Artikel.

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CFE – Una Empresa de Clase Tercermundista

CFE - Una Empresa de Clase MediocreEin guter Freund hat auf einem kommerziellen Baugelände bei uns im Ort ein paar Geschäfts-Lokale gebaut; genauer gesagt sind es vier auf dem gleichen (laut Grundbuch) Grundstück. Er liess auch gleich den Stromanschluss legen: von einem etwa 150 m entfernten Strom-Mast wurde die Versorgung abgezweigt, zwei neue Pfeiler gesetzt und gleich vor dem neuen Gebäude eigens ein Transformator installiert. Kabel wurden auf das Grundstück verlegt und die nach staatlichem Strom-Konzern Comisión Federal de Electricidad (CFE) notwendigen vorgeschriebenen Vorbereitungen getroffen, damit der Versorgungs-Vertrag abgeschlossen und die Stromzähler installiert werden können.

So weit, so gut – wenn die CFE denn dem Freund Strom geben wollte…!

Um in unserer Region einen neuen Stromversorger-Vertrag abzuschliessen und einen Zähler installiert zu bekommen, kann man nicht in ein Büro der CFE gehen (wo kämen wir denn da hin, wenn auf einmal so viel Personal eingestellt werden würde…), sondern ist gezwungen, die zentrale Rufnummer 071 zu wählen, wo man -wie bei den allermeisten Firmen- sich erst einmal mit irgendwelchen Maschinen herumquälen und viele Tasten drücken muss, bis man zur “richtigen” Person durchgestellt wird. Bei contrataciones sitzt offenbar ein Pool von mehreren Dutzend (wenn nicht Hundert) “menschlichen Telefon-Beantwortern”, um den Kunden (angeblich) zu “dienen”.

Man gibt brav sein Anliegen und dann Name und Adresse an, wo die Installation stattfinden soll, wird gefragt, ob denn auch die Anforderungen zur Installation alle gegeben sind und, wenn man tatsächlich alles zu 100% bejahen kann, bekommt man ein folio, was sowas wie eine Auftragsnummer ist.

Beim ersten Anruf wurde eine offizielle Hausnummer verlangt; mit dem in der escritura (der notariellen Besitz-Urkunde) vermerkten Lote X, Manzana Y war es nicht genug. Diese wird offenbar nicht automatisch von der Stadtverwaltung zugeteilt, sondern muss gesondert beantragt werden (was natürlich kostet). Der Freund bekam sie und rief nochmals an.

“Ja, eigentlich müsste jedes Geschäfts-Lokal eine eigene Hausnummer haben, um einen Vertrag abzuschliessen”, sagte der CFE-Mensch. “Das Grundstück ist aber nur eins und kann deswegen nicht mehrere Hausnummern haben – wie sollte das sonst mit dem Grundbuch und den zu entrichtenden Abgaben aussehen?”, antwortete der Freund. Der CFE-Fuzzi (der offenbar an einem Computer sitzt mit Zugang zu den zentralen Datenbanken) tippte auf seiner Tastatur herum und antwortete: “Nun gut, ihre folios sind X-XXX-XXX-XXY, X-XXX-XXX-XXZ, X-XXX-XXX-XXQ und X-XXX-XXX-XXP.”“Wann kann ich damit rechnen, dass die Zähler installiert werden?”“Das kann ich Ihnen nicht sagen.”“Wieso nicht?”“Weil das vom Arbeitsaufkommen abhängt.”“Kann man mich denn nicht wenigstens einen Tag vorher anrufen, um mir mitzuteilen, dass die Herren am nächsten Tag kommen?”“Nein. Guten Tag.” — Frage: wer hat die Zeit, jeden Tag von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr in einem nicht nutzbaren Geschäfts-Lokal zu hocken und stromlos (!) darauf zu warten, dass sich ein paar CFE-Heinis die “Ehre” geben, einmal vorbeizuschauen und ein bisschen herumzuschrauben?

Die Tage vergingen und die CFE-Leute tauchten niemals auf. Also rief der Freund nochmals an. Diesmal hatte er jemand anderem aus dem Calling Center Personal-Pool an der Leitung, der natürlich gar keine Ahnung hatte, worum es ging. “Ja, hier in der Daten-Bank steht, dass die Anträge abgelehnt wurden, weil kein Strom-Mast in der Nähe ist und die verlangte Verkabelung fehlt”, las er das, was auf seinem Bildschirm angezeigt wurde. Der Freund fiel aus allen Wolken, erklärte, dass die Anforderungen sehr wohl erfüllt wurden, und der CFE-Wutz reaktivierte die Anträge, inklusive neuer folios.

Wieder vergingen viele Tage und keine CFE-Brigade weit und breit. Der Freund rief nochmals an. Der Telefon-Mensch -wieder ein anderer- rezitierte das, was “el sistema” ausspuckte: “Die Anträge wurden abgelehnt, weil das Grundstück nur eine offizielle Hausnummer hat.”“Das ist doch längst geklärt!”, antwortete der Freund entnervt, aber der CFE-Telefonierer wusste (natürlich!) nichts davon: “Na, dann reaktiviere ich die Anträge wieder.” Neue folios wurden erteilt.

Die Tage verrannen und kein CFE-Trupp kam. Erneuter Anruf bei 071. “Die Anträge wurden abgelehnt, weil die vorgeschriebene Erdung fehlt”, hiess es diesmal. “Die Erdung?”, fragte der Freund, “die ist längst da! Ausserdem: wie konnten Eure Leute auf das Grundstück kommen, wenn ein Gitter davor ist?” — Die Anträge wurden reaktiviert (plus neue folios).

Zwei Tage danach rief der Freund nochmals an, um zu sehen, welche Ausrede man diesmal hatte, um nicht zu installieren. “Es gibt keinen Strom-Mast in der Nähe”, hiess es, “geben Sie mir bitte nochmals Ihre Daten, um die Aufträge zu reaktivieren.”“Hör mal zu: gibt es kein Büro, wo ich einmal persönlich vorsprechen kann, um den Schlamassel aufzuklären? Bei Euch kommt man ja nicht weiter. Jedes Mal habe ich jemand anders an der Strippe, der keinen blassen Schimmer von meinem Problem hat und dem es scheissegal ist, ob ich einen Anschluss kriege oder nicht. Mir geht hier saftig Geld verloren, weil ich die Lokale nicht vermieten kann ohne Strom!”“Nein, die CFE hat keine Büros.”“Kann ich mal mit Deinem Vorgesetzten sprechen?” - “Nein, das geht nicht. Geben Sie mir doch einfach Ihre Daten noch einmal.”

Der Freund legte auf.

Nun hat er die Elektriker-Firma, die ihm den ursprünglichen Strom-Anschluss (Abzweigung, Pfosten, Trafo) gelegt hat, beauftragt, ihm Strom zu geben – illegal. Hätte ich ebenfalls so getan.

Wer in Mexico etwas “richtig” machen will, sei es beim Finanzamt, bei Wasser oder Strom, wird damit bestraft, dass einem völlig unnötige bürokratische Hürden in den Weg gestellt werden; wer sich selbst und  ”schwarz” bedient, ist der Gewinner.

Mal sehen, wann der Empresa de Clase Mundial mit ihrem unterirdischen Service aufgeht, dass da einer klaut.

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Ölpest im Golf von Mexiko (II)

Katastrophen-Verursacher BP und die US-Behörden bekommen die Lecks nicht in den Griff – jedenfalls nicht so schnell, wie anfangs versprochen (warum nur wundert mich das nicht…? :-| ). Von ursprünglich 160.000 Liter “stieg” die aus den drei Bohrlöchern ausströmende tägliche Menge Rohöl auf das 5-fache (800.000 Liter) – und trotz der Verschliessung eines der Lecks soll sich die Menge nicht verringern.

Heute morgen hörte ich in den mex. Nachrichten, BP hätte zugegeben, dass es 1.400.000 Liter am Tag seien – fast das 9-fache! Ob das allerdings stimmt, weiss ich nicht; auf anderen internationalen und US- Nachrichten-Seiten steht (noch?) nichts davon.

Strände und Mangroven an der US-Südküste sind mittlerweile verseucht; ob die theoretischen Berechnungen über Meeres- und Wind-Strömungen und die deswegen voraussichtlich verschmutzten Küstenabschnitte tatsächlich so eintreten wie vorhergesagt, wage ich als jemand, der mit solchen Dingen (= Geographischen Informations-Systemen (GIS)) arbeitet, aus Erfahrung (!) zu bezweifeln. Sprich: ich bin mir ziemlich sicher, dass in den nächsten Wochen auch die mexicanische Golf-Küste in Mitleidenschaft gezogen wird.

Aber was rede ich da… – ich bin doch keiner von diesen ”Experten”. :lol: ;-)

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Der Dorn im Auge des Nachbarn

Als vorige Woche im US-Bundesstaat Arizona das hier in Mexico so genannte “Anti-Immigranten-Gesetz” (“ley anti imigrantes”) verabschiedet wurde, ging ein grosser Sturm der Entrüstung durch die mexicanischen Medien. “Diskriminierend”, “menschenverachtend”, “fördert Hass und Intoleranz”, “Lasst uns Arizona boykottieren” und andere Aufrufe hörte (und hört) man – natürlich auch von Politikern, die (wieder mal) auf den fahrenden Zug aufsprangen, um wenigstens etwas Profil zu zeigen. Präsident Calderón verurteilte es ebenso und  forderte US-Präsident Obama auf, das Gesetz rückgängig zu machen.

Jetzt kam ein Bericht von Amnesty International heraus, der zeigt, dass Mexico nicht nur kein Kind von Traurigkeit ist, was Menschenrechts-Verletzungen angeht (das weiss eigentlich jeder, der mal in einer mex. Zeitung geblättert oder mit der mex. Polizei zu tun gehabt hat), sondern, dass die Behörden durchreisenden, illegalen migrantes aus mittel- und südamerikanischen Ländern noch schlimmeres antun, als es das Gesetz in Arizona vorsieht.

Klaus Ehringfeld vom Handelsblatt weiss mehr dazu.

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Öl im Golf von Mexiko

Die mex. Medien scheint der Vorfall nicht sonderlich zu interessieren; lediglich Randnotizen wie im El Universal werden publiziert.

Aus der Öl-Quelle unter der gesunkenen BP-Bohrinsel vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana treten täglich mehr als 160.000 Liter Rohöl aus, und es ist bisher kein Erfolg beim Verschluss der beiden Löcher abzusehen. Etwa 60 Kilometer vor der US-Küste gibt es bereits einen 1.500-Quadratkilometer-grossen Öl-Teppich, von dem man nicht weiss, wohin er sich bewegen wird – momentan sind die Amis froh, dass er von der Küste weg Richtung Süden treibt (Quelle 1, Quelle 2).

Wenn es dann soweit ist und touristisch wichtige Zonen wie Tecolutla, die Costa Esmeralda und/oder die gesamte Golf- Küste bis nach Celestún, Progreso, Ría Lagartos, Isla Holbox und evtl. Cancún verseucht sind/ist, wird bestimmt wieder laut geheult… – aber solange die Öl-Pest “weit weg” ist, ist (wieder einmal) das Interesse niedrig.

“En México nunca pasa nada, hasta que pasa, y cuando pasa, todos decimos: ‘Pues, tenía que pasar’ (Cantinflas)

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Die erstaunliche Effizienz beim IMSS (Teil III und Ende)

Letzte Woche Mittwoch war es dann endlich soweit. Im Wartezimmer der Abteilung consulta externa (ambulante Behandlung) sassen fast nur alte Leute – klar: welcher Arbeitnehmer hat schon Zeit, mitten am Tag zum Arzt zu gehen? Frau Dr. Estrada im HGZ 32 trug hohe Stöckel-Sandälchen und einen viel zu kurzen Rock unter ihrem Kittel. Als ich ihr mein Problem -die Pigment-Störung im Auge- schilderte, verstand sie erst nicht, schaute sie sich dann aber genauer an, inkl. Innendruck-Messung.

Nachdem sie mir eine Flüssigkeit in die Augen geträufelt hatte, um die Linsen zu öffnen für die genauere Untersuchung des Pigmentflecks (und ich gut 20 Minuten im Wartezimmer gesessen hatte), “pappte” sie mir sprichwörtlich eine Linse -wohl eine Art Vergrösserungsglas mit Spiegeln, um in mehrere “Winkel” des Auges blicken zu können- direkt auf den Augapfel und liess mich verschiedene Augen-”Verrenkungen” machen. Ich bin seit mehr als 25 Jahren Brillenträger und habe deshalb schon so einige Augenarzt-Besuche hinter mir (auch etliche in Mexico), aber so unangenehm und z.T. schmerzhaft war noch keine Behandlung. Ich hatte den Eindruck, die Gerätschaften der Ärztin -allesamt zur Verfügung gestellt vom IMSS- sind von Anno Tobak. In dieser Annahmen bestätigt fühlte ich mich, als ich nachfragte, wie es aussähe mit einer Sehstärke-Bestimmung. “Der Apparat ist kaputt und gibt falsche Werte an”, meinte Frau Dr. Estrada mit gespieltem Bedauern. Ob es nicht möglich sei, in einem anderen Behandlungszimmer, wo der Apparat funktioniere, den Seh-Test vorzunehmen, fragte ich. “Nein”, antwortete sie, “und sowieso: das Institut [der IMSS] zahlt Ihnen die Brille in keinem Fall.”

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