Archiv der Kategorie auswandern

Wettbewerbsfähigkeit

Das Weltwirtschaftsforum hat seine jährliche Rangliste zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit von 139 Staaten veröffentlicht. In Deutschland herrscht Freude, denn man verbesserte sich vom 7. auf den 5. Rang.

Und Mexico?

Vorher auf Platz 60 ist das Land nun auf Rang 66 gefallen; hinter Staaten wie Montenegro, Azerbaidschan, Vietnam, Sri Lanka und Jordanien.

Und innerhalb Lateinamerikas?  Da führt Chile (Platz 30) vor Puerto Rico (Platz 41; faktische US-Kolonie); Panama (53), Costa Rica (56), Brasilien (58) und Uruguay (64) liegen alle vor der ehemalig grössten LatAm-Wirtschaftsmacht Mexico. Ob das dem Felipillo und seiner Experten-Schar gefallen wird?

Ups, nun rede ich schon wieder schlecht über Mexico… Asche auf mein Haupt… ;-)

(Quellen: tagesschau.de, World Economic Forum: The Global Competitiveness Report 2010-2011)

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Fachkräftemangel in Deutschland

Der deutsche Wirtschaftsminister Schwäbele Brüderle hat angeregt, ausländischen Facharbeitern mit einem “Begrüssungsgeld” das Arbeiten im Ländle Land schmackhafter zu machen.

Sehr geehrter Herr Brüderle,

hiermit biete ich meine Dienste als Ingenieur in Deutschland an. Ich habe schlagkräftige Vorteile gegenüber jedem Ausländer:

a) deutsche Staatsangehörigkeit,

b) abgeschlossenes Ingenieur-Studium mit Diplom an einer deutschen (Fach-) Hochschule,

c) (nahezu) perfekte Deutsch-Kenntnisse,

d) genaue Kenntnisse der deutschen Kultur; sofortige Integration in die Gesellschaft garantiert.

Ich verlange nicht viel:

a) Job-Garantie für die kommenden zwei Jahre in einem kreativen, produktiven Arbeitsumfeld mit angemessener Bezahlung und guten Weiterbildungsmöglichkeiten an einem beliebigen Ort in Deutschland (auch in ländlicheren Gebieten)

b) Ihr angebotenes “Begrüssungsgeld” in Form von finanzieller und operativer Hilfe bei Umzug, Wohnungsbeschaffung, Erledigung von Behördengängen (Familienzusammenführungs-Visum für meine Frau, Erlangung der deutschen Staatsangehörigkeit für meine Kinder), KiTa-Plätzen, etc.

MfG,

Roland

Ob das hilft, ins sicherere Deutschland zurückzukehren und das momentan ziemlich unrühmliche Kapitel Mexico (Kriminalitäts-Entwicklung, persönliches Sicherheits-Empfinden für mich und meine kleine Familie, wirtschaftliche und berufliche Aussichten, Bildungschancen für meine Kinder, etc.) zumindest vorerst ruhen zu lassen…?

(Quelle)

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Arbeitnehmer-Un-Rechte

Arbeitnehmer- und Steuer-Betrug

Diese Stellenausschreibung fand ich auf einem bekannten mex. Job-Portal. Man bekommt bei dieser Arbeitsstelle nur einen kleinen Teil des Gehalts als sozialversicherungspflichtigen Lohn (von dem dann noch die prozentualen Anteile der gesetzlichen Krankenversicherung IMSS,  der Altervorsorge AFORE* und des “Bauspar-Kredits” INFONAVIT abgehen), und der grösste Teil wird als Honorare gezahlt, auf die man noch Steuern (gut 30 %) entrichten muss.

Vorteilhaft ist das nur für den Arbeitgeber:

  1. weniger Arbeitgeber-Anteil an den Sozialversicherungen (IMSS, AFORE, INFONAVIT)
  2. weniger Auszahlung an den Arbeitnehmer im Krankheitsfall oder wenn man ihn entlassen will
  3. weniger Zahlungen für Urlaubsgeld (prima vacacional), Gewinnausschüttung (utilidades) und Weihnachtsgeld (aguinaldo)

Vom Arbeitnehmer werden Verantwortungsbewusstsein, zielorientiertes Arbeiten, Eigeninitiative, analytische Fähigkeiten, usw., usf. verlangt, und im Gegenzug übervorteilt ihn der Arbeitgeber, indem er sich möglichst all’ seiner sozialen Pflichten entledigt und einen Grossteil des unternehmerischen Risikos auf den Arbeiter abwälzt (wahrscheinlich werden Überstunden auch nicht bezahlt; nicht einmal mit Freizeit-Ausgleich). Ehrlichkeit des Angestellten im Austausch für (Steuer- und Sozial-) Betrug der Firma. So wird das was mit einem Vertrauens-Verhältnis!

Vor allem aber ist diese Vorgehensweise höchst illegal, aber -wie so viele eigentlich ungesetzliche Dinge in Mexico- völlig normal. Neu ist (für mich jedenfalls), dass man in einer Stellenausschreibung den Rechtsbruch offen beschreibt und dies (wieder: wie so oft) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine legalen Konsequenzen haben wird.

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* anders als in anderen Ländern ist die Altersvorsorge in Mexico individuell. Konkret: während der aktiven Arbeitszeit zahlt man einen Anteil seines Gehalts auf ein persönliches Renten-Konto, von dem man nach seiner Pensionierung zehrt. Was passiert, wenn das Geld verbraucht ist, ist mir nicht bekannt – wahrscheinlich nagt man dann am sprichwörtlichen Hungertuch.

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Der Dorn im Auge des Nachbarn

Als vorige Woche im US-Bundesstaat Arizona das hier in Mexico so genannte “Anti-Immigranten-Gesetz” (“ley anti imigrantes”) verabschiedet wurde, ging ein grosser Sturm der Entrüstung durch die mexicanischen Medien. “Diskriminierend”, “menschenverachtend”, “fördert Hass und Intoleranz”, “Lasst uns Arizona boykottieren” und andere Aufrufe hörte (und hört) man – natürlich auch von Politikern, die (wieder mal) auf den fahrenden Zug aufsprangen, um wenigstens etwas Profil zu zeigen. Präsident Calderón verurteilte es ebenso und  forderte US-Präsident Obama auf, das Gesetz rückgängig zu machen.

Jetzt kam ein Bericht von Amnesty International heraus, der zeigt, dass Mexico nicht nur kein Kind von Traurigkeit ist, was Menschenrechts-Verletzungen angeht (das weiss eigentlich jeder, der mal in einer mex. Zeitung geblättert oder mit der mex. Polizei zu tun gehabt hat), sondern, dass die Behörden durchreisenden, illegalen migrantes aus mittel- und südamerikanischen Ländern noch schlimmeres antun, als es das Gesetz in Arizona vorsieht.

Klaus Ehringfeld vom Handelsblatt weiss mehr dazu.

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Handy-Registrierung (III)

Gestern gelesen: es gibt etwa 12.000 Handy-Linien, die auf den Namen Felipe Calderón registriert wurden.
Insgesamt sollen (laut diesem Kommentar) zwei Millionen Telefone auf den Namen des mex. Präsidenten und den des Besitzers von Telcel, Carlos Slim Helú (CURP: SIHC400128HDFLLR01) angemeldet worden sein.

¡Yo no fui! (Ich war’s nicht!) :lol: ;-)

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Daten-Sicherheit à la mexicana

Heute im El Universal:

In Tepito (dem Viertel in Mexico, wo man alles bekommen kann) kann man allerhand aktuelle (2009) Datenbanken kaufen: vom Wähler-Verzeichnis der gesamten Republik (in dem alle über 18-jährigen Mexicaner eingetragen sind) über das Standort-Verzeichnis der öffentlichen Telmex-Telefonzellen (inkl. Nummer), Personal-Daten zu Polizisten (Name mit Foto, Personal-Nr. und Standort), Verzeichnis aller Gefängnis-Insassen (inkl. Standort und eventuelle Haft-Erleichterungen), das Taxi-Verzeichnis des DF bis zur Liste aller Fahrzeuge im Land (beinhaltet: Kfz-Marke, -Modell, -Jahr und Typ (PKW, Luxusauto, Gütertransport, ÖPNV, etc.), Besitzer mitsamt Adresse, Kennzeichen).

Demnächst wird dort wohl auch das RENAUT-Verzeichnis zu finden sein.

Das republikweite Wählerverzeichnis, inklusive nationalem Kfz-Register, der Liste der erteilten Führerscheine in ganz Mexico und anderen “Extras”, kostet US$ 12.000,- und wird auf drei 160-GB-Festplatten ausgeliefert. Besonders beliebt ist es bei narcos und sonstigem kriminellen Gesocks, und -haltet Euch fest- Behörden.

Ist doch alles ein Schnäppchen, oder…? :mrgreen:

… Und was man damit alles machen kann: Leute entführen, erpressen, umlegen (Daten zwischen Wählerverzeichnis und Auto-Register kreuzen), Luxus-Karossen auf Bestellung klauen, Polizisten bedrohen und/oder korrumpieren (Polizisten-Register mit Wählerverzeichnis vergleichen), und, und, und,… (und das sind nur die allersimpelsten Daten-Auswertungen) - der Phantasie krimineller Hirne sind keine Grenzen gesetzt und wenn man was wirklich kann in diesem Land, dann ist es, immer wieder neue Wege zu finden, um die eigene Geldbörse auf möglichst leichte Art zu füllen und anderen das Leben zur Hölle zu machen.

Aber: in Brasilien und Jamaica werden bestimmt mehr Daten geklaut pro 100.000 Einwohner und mit ihrer Hilfe mehr Leute ermordet, erpresst, entführt,… (pro 100.000 Einwohner, versteht sich) – und trotzdem reden Brasilianer und Jamaicaner nicht schlecht über ihr Land! :mrgreen:

(Quelle 1, Quelle 2)

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Handy-Registrierung (II)

Was die Verlängerung der Anmeldefrist zum berühmten Nationalen Mobiltelefon-Benutzer-Register RENAUT (Registro Nacional de Usuarios de Telefonía Móvil) angeht, habe ich mich wohl geirrt. Ich nehme an, die Betreiber-Firmen haben nicht genügend “Vergünstigungen” springen lassen, um die Senatoren zu “überzeugen”.

Trotzdem -und das ist nichts neues- bleiben da noch mehrere Haare und Fliegen in der Suppe der schönen heilen Welt der totalen Handy-Benutzer-Überwachung:

  1. das das RENAUT begleitende Gesetz, nach dem eine telefonische Belästigung eine Straftat ist, die entsprechend geahndet wird, existiert gar nicht. :shock:
    Laut den Bestimmungen im Diario Oficial de la Federación (DOF – das mex. Bundes-Gesetzblatt) hatten die beiden Parlaments-Kammern Cámara de Diputados und Senado de la República 180 Tage nach In-Kraft-Treten des RENAUT-Gesetzes Zeit, dieses zu verabschieden. Nun sind mehr als 400 Tage verstrichen und das Auf-den-Weg-Bringen des Gesetzes ist selbst in der Cámara de Diputados in weiter Ferne.
  2. wie nicht anders zu erwarten, benehmen sich die Handy-Benutzer wie echte Mexicaner: sie registrieren ihr Mobiltelefon im allerletzten Moment (dass das eine mex. idiosincrasia ist, sagen auch die allermeisten Mexicaner). Obwohl die RENAUT-Betreiber und -Programmierer genau wissen (sollten?), dass es zum Ende der Frist hin ein exponentiell gesteigertes Daten-Aufkommen gibt, sind die Systeme auf den Ansturm nicht vorbereitet, obwohl sie seit mehr als einem Jahr operieren und Zeit genug war, die Kapazitäten zumindest temporär anzupassen (Server anmieten, mirrors erstellen, etc., etc.).
  3. in der Folge von Punkt 2. konnten mehrere Millionen von Handy-Nutzern ihr Telefon nicht rechtzeitig registrieren und die Bestätigungs-Nachricht erhalten. Obwohl es immer hiess, am 11.04.2010 ab 0.00 Uhr würden Leitungen gekappt, wenn sie nicht registriert sind, wurde die Frist kurzerhand bis zum 14.04.2010, 23.59 Uhr (heute!) verlängert.
    Der Betreiber Telefónica Movistar hatte vorher schon angekündigt, Linien seiner Firma nicht ab dem 11.04. abzuschalten und unregistrierten Handy-Nutzern weiterhin Service zu geben.
  4. es gibt keine Form des Beweises der Handy-Nutzer, dass die Registrierung erfolgt ist, ausser -in manchen Fällen- eine SMS mit den Worten (sinngemäss): “Su línea quedó registrada.” Wer sich telefonisch angemeldet hat, hat nichts greifbares.
    Ich z.B. war blöd genug, mich und meine Linie schon im April 2009 zu registrieren und bekam sofort genannte SMS. Mittlerweile habe ich das Telefon aber nicht mehr, sondern ein neues mit neuem SIM-Chip, aber derselben Telefon-Nummer. Die SMS auf dem mittlerweile verkauften alten Handy habe ich selbstverständlich vor dem Verkauf gelöscht. Falls mir die Linie demnächst -absichtlich oder durch einen Fehler in Datenbank und/oder System- gesperrt wird, wie beweise ich, dass ich mich registriert habe?
    Eine Lösung wäre die Einrichtung einer Webseite, auf der man in einem Fenster völlig anonym (s)eine Handy-Nummer eingeben kann und erfährt, ob die Linie registriert ist/wurde oder nicht.

Übrigens: in Tepito, einer landesweit bekannten Gegend, wo man von Piraten-CDs bis grosskalibrigen Waffen alles mögliche illegale bekommt, kann man seit Tagen bereits registrierte SIM-Chips kaufen – auf wessen Namen sie angemeldet sind, bleibt das Geheimnis der Verkäufer. Für 130 Pesos bekommt man eine neue, funktionierende Telefon-Nummer und 90 Pesos Guthaben.

…Und so lebt Mexico wieder einmal in grosser Sorge… – diesmal, dass das über alles geliebte Handy plötzlich aufhört zu funktionieren und das Guthaben futsch ist. Da geht die Nachricht, dass seit Beginn von Präsident Calderón’s “Guerra contra las Drogas” mehr als 22.000 Menschen ihr Leben lassen mussten, völlig unter.

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Redet nur Gutes über Mexico!

Eine Faustregel besagt, wenn jemand ständig die gleiche Aufforderung wiederholt, dann liegt wohl etwas im Argen. Das gilt sowohl für bekannte Marken, die plötzlich massive Werbe-Kampagnen starten (was heisst, dass die Verkaufszahlen im Keller sind), als auch für Politiker, die täglich darüber schwafeln, dass die Kriminellen nur eine Minderheit seien und man sich von ihnen nicht einschüchtern lassen sollte - ein leichtes für Leute, die ständig und auf Staatskosten von Leibwächtern beschützt werden und den täglichen Terror, dem die Normal-Bevölkerung ausgesetzt ist, gar nicht mitbekommen (und es sie überhaupt nicht interessiert).

Heute hat sich der Präsident wieder so eine Lachnummer geleistet. Hm, eigentlich ist es eher zum Heulen: auf einer Arbeitstagung zum Thema “Tourismus in Mexico” forderte er die Mexicaner (besonders die im Ausland) auf, nicht schlecht über das Land zu reden; schliesslich seien sie “Botschafter” ihrer Heimat, die dafür sorgen müssten, dass das durch Gewaltakte auf offener Strasse, Unsicherheit und Korruption momentan ein schlechtes Image habende Land wieder Tourismus anzieht.

Das Argument: mit 11,5 Gewalt-Verbrechen pro 100.000 Einwohner ist es doch gar nicht so schlimm; in Brasilien, Jamaica und Kolumbien sei es gefährlicher. Tolle Begründung: wenn es bei denen noch mieser ist, dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen… – und solange in Irak oder Ruanda mehr Menschen umkommen, wird in Mexico die Situation weiter schöngeredet, oder?

Ähnlich ist es mit dem Bericht, nach dem 12 mex. Strände in diesen Osterferien nicht zum Baden geeignet sind (der Bericht wird seit langem jährlich verfasst und enthält fast immer die gleichen Strände). Prompt beschwert sich der Gouverneur von Veracruz, dass das alles Lüge sei und nur dem Tourismus schade; schliesslich habe man viel Geld investiert, um die Strände sauber zu halten. Dass im ganzen Land die allermeisten Küstenstädte und Hotels am Strand (auch die modernsten) ihre Abwässer ungeklärt ins Meer leiten, erwähnt er nicht. Vor ein paar Jahren ging der Gouverneur von Guerrero in der Bucht von Acapulco mit grossem Medienrummel schwimmen, um zu beweisen, dass die Weltgesundheits-Organisations-Berichte und die Warnungen der mex. Naturschutzbehörden nicht wahr seien (ob er danach in dermatologische Behandlung gehen musste, weiss ich nicht).

Na, denn: ab sofort wird nur noch gutes über Mexico berichtet.

Ich fange schon mal an: heute sind nur 5 10 15 20 30 40 56  X Menschen hingerichtet worden; gestern waren’s mehr, und beim Bürgerkrieg im Kongo sind auch mehr gestorben.

Das ist doch mal eine gute Nachricht, oder? :mrgreen:

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Handy-Registrierung

Um zu verhindern, dass einem die Telefon-Nummer gesperrt wird, muss man bis zum 10. April 2010 seine Handy-Nummer registrieren, und zwar beim sogenannten RENAUT (Registro Nacional de Usuarios de Telefonía Móvil), dem zentralen mex. Handy-Nummern-Register. Wozu diese Datenbank gut ist, weiß wahrscheinlich nur der heilige Felipe de Jesús (wahlweise auch bekannt als El Espurio, Felipillo oder FECAL) und seine Erdnuss-Gang (a.k.a. “el gabinete”). Angeblich hilft es gegen extorsión, Schein-Entführungen und allerhand anderen Telefon-Terror, da ja nun alle registriert sind… – nun ja, wer’s glaubt, wird wahrscheinlich selig.

Um sich anzumelden, muss man von seinem Handy eine SMS-Nachricht mit seiner CURP (Clave Única del Registro Nacional de Población – die mex. Gläserner-Bürger-Registrier-Nummer) an eine bestimmte Telefon-Nummer schicken, die dann anscheinend/scheinbar/tatsächlich/angeblich/de veras/de mentiritas (nichtzutreffendes bitte streichen ;-) ) diese CURP überprüft und eine SMS mit dem Inhalt “Su número telefónico quedó registrado” zurückschickt.

Soweit zur Theorie.

Tatsächlich sieht es momentan so aus, dass dieser famose RENAUT, dem k(aum) ein Mexicaner traut, genauso wie vor einigen Jahren der RENAVE (Registro Nacional de Vehículos, bei dem alle Neuwagen registriert und damit dem Autodiebstahl ein Riegel vorgeschoben werden sollte) ein großer Reinfall werden wird. In den letzten Tagen häufen sich Medien-Berichte, dass sich bisher nicht einmal 20 % der Handy-Nutzer angemeldet haben und die restlichen 80 % sich wohl kaum bis zum 10. April (das ist in weniger als 3 Wochen!) noch registrieren werden (aktuelle Nachrichten dazu bei etwas unabhängigeren Medien im Netz (da scheint von der Regierung eine Maultasche ein Maulkorb verordnet worden zu sein), aber auch bei u.a. Excelsior und El Economista).

Aller Wahrscheinlichkeit nach (so schätze ich) wird die Frist zunächst verlängert; was passiert, wenn auch dieses (und evtl. das nächste) Datum verstreicht, weiss kaum einer – womit wir bei der RENAVE-Geschichte wären: damals noch zu PRI-Zeiten unter Präsident Zedillo kam kurz nach Anlaufen des Neuwagen-Registers heraus, dass die Föderal-Regierung den Auftrag zur Daten-Aufnahme an eine Privat-Firma erteilt hatte, und diese Firma einem Argentinier (also Nicht-Mexicaner) namens Miguel Ángel Cavallo gehörte, der -neben einem Großbetrug mit dem RENAVE- zu argentinischen Militär-Diktatur-Zeiten wohl mit Verschwinden, Folter und Ermordung von Regimegegnern zu tun hatte. Cavallo wurde gefaßt und eingesperrt (was aus ihm geworden ist, ist mir unbekannt) und der RENAVE gestoppt (und denen, die schon zwangsregistriert waren und dafür eine saftige Gebühr hatten berappen müssen, wurde kein Centavo erstattet) (mehr Info zum RENAVE bei Wikipedia (obwohl der Artikel wohl bearbeitet werden sollte)).

Doch zurück zum Thema RENAUT:

Welche CURP man in der SMS, die man versendet, angibt, ist an sich egal; es kann jede sein – z.B. die einiger Vertreter der Politiker-Kaste, verantwortlich für diese beknackte Regelung, wie etwa:

  • Felipe de Jesús Calderón Hinojosa (CURP: CAHF620818HMNLNL09),
  • Elba Esther Gordillo Morales (CURP: GOME450206MCSRRL09 - in Wahrheit heisst sie “Elva”),
  • Andrés Manuel López Obrador (CURP: LOOA531113HTCPBN07),
  • Vicente Fox Quesada (CURP: FOQV420702HDFXSC07 ),
  • Carlos Salinas de Gortari (CURP: SAGC480403HDFLRR03),
  • Miguel de la Madrid Hurtado (CURP: MAHM341212HCMDRG09)

(die CURPs kann man hier nachsehen)

Ob diese Herrschaften schon hunderte oder sogar tausende Handies (oder heisst das Handys? … – oder gar Handy’s??) auf ihren Namen registriert haben, weiss ich nicht – ich habe aber ein Gefühl, es könnte so sein… ;-)

(weiterlesen: http://www.luisdzib.com/59)

P.S. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass hier nur ein Spass gemacht wird, das ganze lediglich zu Illustrationszwecken der Absurdität des RENAUT-Registers dient und somit auf keinen Fall eine Aufforderung zu Straftaten oder Identitätsklau whatsoever darstellt. Ihr wisst schon: “Kids (and adults), don’t try this at home!”

:lol:

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Aktualisierung vom 24.03.10:

Der erste Schritt  ist getan: die ständige Parlaments-Komission für Kommunikation hat/wird eine Verlängerung der Anmelde-Frist zum RENAUT um 6 Monate bis zum 10. Oktober 2010 unterschreiben. Der notwendige formelle Parlaments-Beschluss ist (fast) Formsache (mehr bei El Universal).

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Aktualisierung vom 26.03.10:

Die Cámara de Diputados hat schon mit grosser Mehrheit für eine Verlängerung der Anmelde-Frist bis zum 10. April 2011 (!) gestimmt; nur der Senado de la República ist/war nicht dafür. Besonders die Mobil-Telefon-Betreiber werden Millionen-Verluste einfahren, wenn von jetzt auf gleich Millionen von Handy-Nummern deaktiviert werden müssen.

Böse Stimmen behaupten, dass in ein paar Tagen, wenn die Mobil-Telefon-Betreiber-Firmen “Geschenke” an die Damen und Herren senadores verteilt haben, doch noch für die Frist-Verlängerung gestimmt werden wird.

Warten wir’s ab (mehr beim El Universal).

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Alternative Zukunftspläne

Ob das hier wohl stimmt?

Angesichts des immer größeren Chaos in Mexico (jetzt sperren narcos sogar schon Autobahnen und berauben die Leute ihrer Autos am hellichten Tag auf offener Straße) und der drohenden Unregierbarkeit (wehe, man sagt das der Regierung… – sie verwendet mehr Energie darauf, den failed state mit beleidigten Statements zu dementieren als tatsächlich etwas zu tun) sollte man die Rückkehr-Alternative im Blick behalten.

Vorletzte Woche sprach ich mit einem Rechtsanwalt (geborener Mexicaner, aber Sohn von Spaniern), der momentan für sich und seine Familie in den trámites zur Erlangung der spanischen Staatsangehörigkeit steht. Sein Argument: “Wenn es hier so weitergeht oder ein Mensch wie López Obrador an die Macht kommt, machen wir uns aus dem Staub. Wenn man schon die Möglichkeit hat, sollte man sie nutzen. Arme Mexicaner, die bleiben müssen…”

Also: schnell die deutsche Staatsangehörigkeit für die Kinder beantragen. 8-)

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