“Die Krise ist vorbei. Nun geht es aufwärts mit Wirtschaft und Arbeitsplätzen.” – so ähnlich sagt es immer wieder der mexicanische Präsident.
Die Arbeitslosen-Zahlen sprechen aber von was anderem: im Januar 2010 stiegen sie schon wieder. Nie in der Geschichte Mexico’s hat eine Wirtschafts-Krise so schwer auf die Beschäftigten-Zahlen geschlagen wie diese. Offiziell waren im Januar 2010 5,87 % der Mexicaner arbeitslos; 1,07 % mehr als im Dezember 2009 und 0,87 % mehr als im Januar 2009 (Quelle 1, Quelle 2).
Doch auch 5,87 % wäre z.B. für Deutschland eine Traum-Quote, deshalb hier mal ein paar Zahlen:
Laut INEGI waren im Jahre 2008 45,3 Mio. Mexicaner (und andere in Mexico lebende Menschen) ”ökonomisch aktiv” – sprich: sie haben gearbeitet. Población económicamente activa oder PEA heisst das im INEGI-Jargon. Wie der Wert ermittelt wird, ist mir nicht bekannt, aber wenn es bei einer Bevölkerung von etwa 107 Mio. nur 28 Mio. Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren gibt, dann sollte zumindest die Zahl potentieller PEA wesentlich höher sein. Heute arbeiten viele Frauen ebenfalls; da die Anzahl der potentiellen Arbeiter einfach durch (grob) 2 zu teilen, halte ich für äusserst fraglich.
Sei’s drum: von diesen 45,3 Mio. waren 43,5 Mio. Angestellte, aber nur 17,6 Mio. von ihnen waren pflichtgemäss und gesetzlich korrekt bei der staatlichen Sozial-/Kranken-Versicherung IMSS (oder im Sozialsystem für Staatsbedienstete ISSSTE) angemeldet (das sind gerade einmal 40 % der Angestellten) . 11,8 Mio. Menschen waren laut INEGI und Arbeits-Ministerium im “informellen Bereich” tätig, also “offizielle” Schwarzarbeiter, die keine Steuern zahlen und keine soziale Absicherung haben (seltsam, dass die Regierung weiss wieviele es sind, aber nichts dagegen tut…). Der “Rest” der Angestellten (etwa 14 Mio.) war “semi-formell” beschäftigt; sprich: irgendwann im Laufe des Jahres haben sie mal (vielleicht nur für ein paar Wochen) in die Sozial-Versicherung eingezahlt und ansonsten zumindest unterbeschäftigt (wenn nicht eigentlich arbeitslos).
Wie schnell man aus der Statistik fällt, weil langzeit-arbeitslos (falls es sowas in Mexico überhaupt gibt; nach mehreren Monaten ohne Broterwerb wäre man wahrscheinlich längst verhungert), weiss ich nicht, aber ich vermute, recht schnell (da wird man einfach von der PEA abgezogen und gut ist).
Natürlich kann die Milchmädchen-Statistik nicht sagen, wieviele von den “Informellen” und “Semi-Informellen” Arbeit haben, einfach, weil sie nicht erfasst werden können (Steuerzahler und Sozial-Versicherte sind erfassbar). Also wird für die Ermittlung der Arbeitslosen-Quote die Anzahl der IMSS-Versicherten herangezogen, und bei denen sank die Zahl im Zeitraum von November 2008 bis Mai 2009 um gut 637.000 (also etwa 5,4 %).
Voilà, hat man die Quote! (man bedenke, dass meine Zahlen stark gerundet sind)
Wer sagt, Statistik sei schwer?
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